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Variante B.1.1.7

Neue Mutante erschwert die Pandemie-Bekämpfung

Noch sind es Einzelfälle, aber bald könnte die Mutante B.1.1.7 die dominierende Coronavirus-Variante  auch in Deutschland werden. Da sie leichter übertragbar ist als bisherige Varianten, könnte dies die Eindämmung der Pandemie erschweren.
dpa
PZ
04.01.2021  17:30 Uhr

Die neue Corona-Variante B.1.1.7 könnte die Eindämmung der Pandemie schwieriger machen. Es erscheine anhand der verfügbaren Daten wahrscheinlich, dass die Variante bald auch in Deutschland dominierend sein werde, erklärte der Virologe Professor Dr. Jörg Timm von der Uniklinik Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur. »Ich halte eine Senkung der Fallzahlen grundsätzlich für eine nachhaltige Infektionskontrolle für notwendig. Wenn die Daten zur erhöhten Ansteckungsfähigkeit der neuen Variante stimmen - und davon gehe ich aus -, dann wird die Aufgabe sicherlich schwieriger.«

Die in Großbritannien nachgewiesene Variante kann sich offenbar deutlich schneller verbreiten als frühere Formen. So kam ein britisches Forscherteam um Dr. Erik Volz vom Imperial College London zu dem Schluss, dass bei B.1.1.7 der sogenannte R-Wert unter den Bedingungen vor Ort um 0,4 bis 0,7 höher ist. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. In Deutschland liegt der R-Wert laut Robert-Koch-Institut (RKI) momentan um 1, wobei dabei nicht nach Varianten unterschieden wird. Eine entsprechende Preprint-Publikation hatte das Team um Volz am 31. Dezember veröffentlicht. Es gebe Konsens zwischen allen Analysen, dass die Variante, die inzwischen »Variant of Concern« (VOC) 202012/01 genannt wird, einen deutlichen Vorteil bei der Übertragung hat. Die höhere Übertragung wurde dabei trotz strenger Kontaktbeschränkungen in Großbritannien beobachtet, schreiben die Forschenden. Der Analyse zufolge machen Menschen unter 20 Jahren einen höheren Anteil bei den VOC-Infizierten aus als bei den Infizierten mit anderen Coronavirus-Varianten. Was genau dieser Befund bedeutet, ist noch unklar.

Bereits wenige Tage zuvor hatte ein anderes Forscherteam aus London ähnliche Daten in einer Preprint-Analyse veröffentlicht. Das Team testete die bisher bekannten Fakten zu VOC 202012/01 in mathematischen Modellen. Auf deren Basis schätzte es, dass die Mutante um 56 Prozent infektiöser ist (50 bis 74 Prozent) als andere SARS-CoV-2-Varianten. Sie führt nach bisherigen Daten weder zu einer schwereren noch zu einer leichteren Krankheitsform. 

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