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Symptomatische Uterusmyome

Neue Hormonkombination bietet schnelle Linderung

Uterusmyome können sehr heftige Beschwerden bereiten. Für diese Frauen gibt es seit Anfang September eine neue orale Therapieoption: den GnRH-Antagonisten Relugolix, kombiniert mit einer Hormonersatztherapie.
Brigitte M. Gensthaler
20.09.2021  16:00 Uhr

Myome lassen sich bei 30 bis 50 Prozent der Frauen im Ultraschall finden. Etwa die Hälfte leidet an Myom-bedingten Beschwerden, vor allem Menstruationsstörungen wie starke Blutungen, Zwischenblutungen und Dysmenorrhö, aber auch Müdigkeit, Schmerzen im Unterleib und beim Geschlechtsverkehr oder Kinderlosigkeit. Die Frauen sind meist 30 bis 50 Jahre alt. Übergewicht und Adipositas, Hypertonie und Diabetes sind oft assoziiert.

»Viele Frauen sind verunsichert, weil die Erkrankung an sich gutartig ist, aber die Symptome sehr belastend sein können«, informierte die niedergelassene Gynäkologin Erika Binder, Stuttgart, bei einer online-Präsentation von Gedeon Richter. Um einer Hypermenorrhö auf die Spur zu kommen, frage sie gezielt nach dem Verbrauch von Hygieneartikeln während der Menstruation. »Beispielsweise sind mehr als sechs dicke Vorlagen am Tag sehr viel.«

GnRH-Antagonist plus HRT

Das einmal täglich oral einzunehmende Präparat Ryeqo® enthält den neuen GnRH-Antagonisten Relugolix (40 mg) plus 1 mg Estradiol und 0,5 mg Norethisteronacetat (NETA). Relugolix bindet kompetitiv an Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH-)Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen, was sehr schnell die Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) bremst. In der Folge sinken in der Peripherie die Estrogen- und Progesteronspiegel, die mit dem Myomwachstum assoziiert sind. Nach einmonatiger Anwendung bietet Relugolix eine sichere Kontrazeption. Die zeitgleiche Einnahme von Kontrazeptiva ist kontraindiziert.

Da der GnRH-Antagonist, vor allem bei Langzeitgabe, massive klimakterische Beschwerden auslöst, wird er in Ryeqo® kombiniert mit 17β-Estradiol plus NETA, die als Hormonersatztherapie (HRT) wirken. »Die gleichmäßig niedrigen Hormonspiegel vermeiden einen postmenopausalen Zustand«, erklärte Professor Dr. Stefan Renner, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde in Böblingen.

In die zulassungsrelevanten 24-wöchigen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studien Liberty 1 und 2 (NCT03049735 und NCT03103087) wurden insgesamt 770 Frauen von 18 bis 50 Jahren mit Myom-bedingt starken Menstruationsblutungen einbezogen. Bei fast drei Viertel der Frauen war der Blutverlust unter Verum nach 24 Wochen deutlich reduziert; mehr als die Hälfte war amenorrhoisch. »In der Verlängerungsphase bis 52 Wochen waren sogar 71 Prozent der Frauen in Amenorrhö«, berichtete Renner.

Knapp die Hälfte der Frauen war nach 24 Wochen schmerzfrei, obwohl das Myomvolumen nur wenig sank. Eventuell lasse die Spannung der Myomkapsel so weit nach, dass die Schmerzen zurückgehen, sagte der Gynäkologe.

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