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SARS-CoV-2-Infektionen

Neue Ansatzpunkte für eine Covid-19-Therapie

Der Blick in die Zelle offenbarte noch andere interessante Konsequenzen einer Infektion. So verursacht das Coronavirus 24 Stunden nach der Infektion markante Änderungen in der Zusammensetzung der Wirtszellproteine: Während der Cholesterinstoffwechsel reduziert wird, steigen die Aktivitäten im Kohlenhydrat-Stoffwechsel und in der Herstellung von RNA zur Proteinproduktion deutlich an.

Auch in diesem Fall ließen sich Effekte mit Hemmstoffen demonstrieren, die bereits von anderen Gruppen aufgegriffen wurden, da die Publikation, wie in der Corona-Krise üblich, bereits seit einiger Zeit auf einem Preprint-Server zugänglich ist.

Zu den Wirkstoffen, die in der Frankfurter Zellkultur die Virusvermehrung stoppten, zählt unter anderem die 2-Deoxy-D-Glucose (2-DG). Dieses Glucosederivat greift als Hemmstoff der Hexokinase direkt in den für die Virusvermehrung notwendigen Kohlenhydrat-Stoffwechsel ein. Das US-amerikanische Unternehmen Moleculin Biotech verfügt über ein Prodrug namens WP1122, das der 2-Deoxy-D-Glucose ähnlich ist. Ausgehend von den Ergebnissen der Frankfurter Wissenschaftler bereitet Moleculin Biotech eigenen Angaben zufolge diesen Wirkstoff bereits für klinische Studien vor.

Und das kanadische Unternehmen Bausch Health Americas startet eine klinische Studie mit 50 Probanden, die Ribavirin bekommen sollen, das sich ebenfalls im Frankfurter Zellversuch als wirksam erwies. Ribavirin ist ein Nukleosid-Analogon, das bei verschiedenen viralen Erkrankungen zum Einsatz kommt.

Starke Kooperationen

Die Ergebnisse der Frankfurter Forscher unterstreichen die Bedeutung von Kooperationen in diesen hektischen Zeiten. So erklärt Professor Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt: »In einer besonderen Lage wie dieser müssen wir auch in der Forschung neue Wege gehen. Die bestehende Kooperation zwischen den Forschungsgruppen von Professor Dr. Jindrich Cinatl und Dr. Christian Münch aus Virologie und Biochemie machte eine schnelle Fokussierung der Forschung auf SARS-CoV-2 möglich. Die bisherigen Ergebnisse sind eine großartige Bestätigung dieses interdisziplinären Ansatzes.«

Münch, Leiter der Gruppe Proteinqualitätskontrolle am Institut für Biochemie II und korrespondierender Autor, unterstreicht: »Dank der von uns entwickelten mePROD-Technologie konnten wir den Verlauf der Virusinfektion im Labor erstmals detailliert verfolgen. Wir waren uns natürlich der potenziellen Tragweite unserer Ergebnisse bewusst, auch wenn diese in der Zellkultur erzeugt wurden und weiter getestet werden müssen. Dass unsere Ergebnisse nun womöglich in weiterführende In-vivo-Studien zur Medikamentenentwicklung münden, ist sicherlich ein großer Glücksfall.«

Schließlich ergänzt Cinatl: »Der erfolgreiche Einsatz von Wirkstoffen gegen SARS-CoV-2, die Bestandteile von bereits zugelassenen Medikamenten sind, ist eine große Chance für die Bekämpfung des Virus. Solche Wirkstoffe sind bereits gut charakterisiert, und wir wissen, wie sie von Patienten vertragen werden. Daher wird derzeit weltweit nach solchen Wirkstoffen gesucht. Im Wettlauf mit der Zeit kann unsere Arbeit einen wichtigen Beitrag dazu liefern, in welche Richtungen diese Suche die schnellsten Erfolge verspricht.«

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