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Viren, Bakterien, Insekten

Natur schreibt Geschichte

Durch den Ausbruch der Pest, die zwischen 1347 bis 1353 in Europa wütete, entstand unser heutiges Passwesen. Im Rahmen der Überlegungen, die verheerende Epidemie endlich aufzuhalten, beschlossen Rat und Einwohner der italienischen Stadt Reggio nell’Emilia, keine Fremden mehr einzulassen – es sei denn, diese begaben sich für einen bestimmten Zeitraum unter Beobachtung. Anfangs ging es um zehn Tage, später etablierten sich 40 Tage als Standard. Jutzi weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die »Quarantäne« zur Seuchenvorbeugung auf das italienische Wort »quaranta« für die Zahl 40 zurückgeht.

Die Stadt Venedig führte zudem die sogenannten Pestbriefe ein, mit denen sich Reisende bestätigen ließen, dass sie aus einem pestfreien Gebiet kamen. »Die Unbedenklichkeitsbescheinigungen erfreuten sich bald solcher Beliebtheit, dass es immer üblicher wurde, ein entsprechendes Dokument bei sich zu tragen. Schließlich belegte es glaubhaft, wer man war und woher man kam«, berichtet der Autor. Schnell entdeckten auch Fälscher ihre Chance. Die italienischen Behörden reagierten und begannen, immer aufwendigere Merkmale wie zum Beispiel ein Siegel oder die Beschreibungen des Inhabers in die Schriftstücke zu integrieren – ähnlich, wie wir es heute von den Reisepässen kennen.

Bakterium deckt auf

Als im Jahr 2005 die beiden australischen Wissenschaftler Barry J. Marshall und J. Robin Warren den Nobelpreis für die Entdeckung erhielten, dass das Bakterium Helicobacter pylori Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüre, Magendurchbrüche und sogar Krebs verursachen kann, ahnten sie nicht: Der Nachweis war nicht nur ein Meilenstein für die Medizin, sondern würde außerdem noch eine weitere geschichtsträchtige Entdeckung nach sich ziehen.

Da sich mittels Genanalyse der Stammbaum des Einzellers erstellen lässt, den etwa jeder zweite Mensch in sich trägt, kann dieser als Indiz für die Wanderungen des frühen Homo sapiens über den Globus dienen, hebt der Biologe hervor. »So entstanden die vorherrschenden Magenkeime Europas wahrscheinlich aus einer genetischen Fusion zweier aus Zentralasien und dem Nahen Osten eingewanderter Elternstämme.«

Mit der Mikrobe verbindet sich außerdem eine Anekdote: Als ein afrikanischer Löwe einst einen Menschen fraß, infizierte er sich dabei mit Helicobacter pylori und steckte später auch seine Artgenossen an. Die daraus folgenden Magenprobleme unter den Löwen sind der Geschichte zufolge die Rache für den getöteten Menschen. Jutzi bemerkt dazu, dass laut genetischer Studien an Magenkeimen von Großkatzen das Bakterium tatsächlich einmal vom Menschen auf die Löwen übergesprungen sein muss.

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