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Neuer Fusionsinhibitor

Nasenspray verhindert Corona-Infektion im Tierversuch

Ein Team der Columbia University in New York berichtet über die Entwicklung eines dimeren Lipopetids, das nasal verabreicht bei Frettchen eine SARS-CoV-2-Infektion vollständig verhinderte.
Theo Dingermann
12.11.2020  09:00 Uhr

Über lokal wirkende Agenzien zur Verhinderung einer SARS-CoV-2-Infektion wurde bereits mehrfach berichtet. Jetzt haben Wissenschaftler der Columbia University, New York, eine Arbeit auf dem bioRxiv-Preprintserver publiziert, in der sie über die Herstellung und präklinische Testung eines dimeren Lipopeptids berichten. Nasal appliziert konnte das Molekül Frettchen vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen.

Der von den Wissenschaftlern konstruierte Fusionsinhibitor besteht aus zwei identischen Peptidketten von 36 Aminosäuren, die genau einem Teilbereich des viralen Spike-Proteins entsprechen. Diese beiden Ketten sind über ein pegyliertes Cholesterol-Molekül zu einem Dimer miteinander verknüpft. Der Lipopeptid-Inhibitor verhindert die Fusion des Virus mit der Wirtszelle, dem initialen Schritte eines jeden Infektionszyklus. Dies lässt sich in der Zellkultur zeigen, wo der Inhibitor vollständig die Fusion des Virus mit kompetenten Zellen blockiert. Dies konnte für vier verschiedene Pandemieviren, aber auch für SARS- und teilweise auch für MERS-Viren, gezeigt werden.

Darüber hinaus ließ sich die schützende Wirkung auch in vivo an Frettchen demonstrieren. Wird den Tieren täglich intranasal eine Dosis des Inhibitors verabreicht, verhinderte dies vollständig die Übertragung von SARS-CoV-2, wenn die Tiere beispielsweise über 24 Stunden in Käfigen zusammen mit infizierten Tieren gehalten werden.

»Es ist, als würde man einen Reißverschluss schließen, aber man steckt einen weiteren Reißverschluss hinein, sodass die beiden Seiten nicht aufeinandertreffen können«, erläutert Matteo Porotto, Mikrobiologe an der Columbia University das Wirkprinzip.

Der Lipopeptid-Inhibitor ist nach Angaben der Autoren hochstabil und nicht toxisch. Er lässt sich daher leicht in eine sichere und wirksame intranasale Arzneiform überführen, die als Prophylaktikum zum Schutz vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 eingesetzt werden kann.

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