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Gastroparese
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Naronaprid hebt Magenlähmung auf

Der experimentelle Wirkstoffkandidat Naronaprid hat in einer Phase-IIb-Studie bei Gastroparese überzeugen können. Es zeigten sich Verbesserungen bei typischen Symptomen der Magenentleerungsstörung. Zulassungsstudien sollen nun in Angriff genommen werden.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 06.05.2026  18:00 Uhr

Die Gastroparese ist eine chronische Erkrankung des Gastrointestinaltrakts, die durch eine verzögerte Magenentleerung und Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, frühzeitige Sättigung, Schmerzen im Oberbauch und Völlegefühl nach dem Essen gekennzeichnet ist. Prokinetika wie die Dopamin-2-Rezeptorantagonisten Metoclopramid (MCP) und Domperidon sowie der Agonist am serotonergen 5-HT4-Rezeptor Prucaloprid kommen gegebenenfalls zum Einsatz, explizit bei Gastroparese zugelassen sind sie aber nicht.

Der Arzneistoffkandidat Naronaprid ist ein oral bioverfügbares und lokal wirksames gastrointestinales Prokinetikum, das die Motilität im Verdauungstrakt verbessern soll. Naronaprid weist ein duales Wirkprinzip auf. Es wirkt – wie Prucaloprid – als 5-HT4-Rezeptoragonist und – wie MCP und Domperidon – als Dopamin-D2-Rezeptorantagonist. Damit moduliert Naronaprid zwei Zielstrukturen an der luminalen Oberfläche der Darmwand, die die Magen-Darm-Motilität und die Signalübertragung bei Übelkeit regulieren. Naronaprid wird nur in geringem Maße resorbiert, sodass es lokal im Darmlumen wirkt.

Dr. Falk Pharma und Renexxion Ireland informieren aktuell über vielversprechende Ergebnisse der Studie MOVE-IT. Dabei handelt es sich um eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-IIb-Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Naronaprid bei Erwachsenen mit Gastroparese.

In die doppelblinde, zwölfwöchige Studie wurden 328 Erwachsene mit mittelschweren bis schweren Symptomen einer idiopathischen oder diabetischen Gastroparese und objektiv nachgewiesener verzögerter Magenentleerung aufgenommen. Die Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen dreimal täglich entweder 10, 20 oder 40 mg Naronaprid oder Placebo.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des durchschnittlichen wöchentlichen ANMS GCSI-DD-Kernsymptom-Scores vom Ausgangswert bis zur zwölften Woche. ANMS GCSI-DD steht für »American Neurogastroenterology and Motility Society Gastroparesis Cardinal Symptom Index Daily Diary« und ist ein validiertes, patientenberichtetes Instrument zur Erfassung der fünf Leitsymptome der Gastroparese: Übelkeit, Erbrechen, frühzeitige Sättigung, Völlegefühl nach dem Essen und Schmerzen im Oberbauch.

In den Gruppen mit 20 und 40 mg Naronaprid zeigte sich eine statistisch signifikante Verbesserung des ANMS GCSI-DD im Vergleich zu Placebo. Das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil bezeichnen die beiden Unternehmen als günstig. Bislang sei Naronaprid bei mehr als 1200 Studienteilnehmern untersucht worden, wobei das Sicherheitsprofil die minimale systemische Resorption widerspiegle.

Noch in diesem Jahr soll auf Zulassungsstudien mit Naronaprid hingearbeitet werden. Bis der Wirkstoff dann möglicherweise auf dem Markt eingeführt werden kann, wird es also noch eine Zeit dauern.

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