| Johanna Hauser |
| 02.09.2026 16:20 Uhr |
Die Auswertung zeigte auch, dass diagnostizierter Bluthochdruck das Pendel in Richtung Medikation ausschlagen ließ: Die Teilnehmer sahen in erster Linie in einer medikamentösen Therapie einen Weg, ihren Blutdruck zu normalisieren (Odds Ratio 3,89). Die Bereitschaft, Empfehlungen zu Lebensstiländerungen zu folgen, fiel dagegen geringer aus (OR 0,52).
Auch wer sich wegen seines Bluthochdrucks sorgte, griff eher zu Arzneimitteln. Eine Motivation für Änderungen des Lebenswandels entstand daraus jedoch nicht. Ein höheres Alter war insgesamt positiv mit der Absicht verbunden, sowohl zu Medikation zu greifen als auch den Lebensstil zu ändern.
Die Kommunikation mit dem Arzt spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Zeitmangel oder das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, verringerten die Bereitschaft sowohl zur Arzneimitteleinnahme als auch zu Lebensstiländerungen. Die Stärke des Zusammenhangs fiel in beiden Fällen identisch aus: Die Forscher ermittelten eine Odds Ratio von jeweils 0,66.
Die Autoren folgern daher, dass Menschen mit Bluthochdruck eher bereit sind, ärztlichen Empfehlungen zur Medikamenteneinnahme zu folgen, als ihren Lebensstil dauerhaft zu verändern. Das Health Belief Model sagte die Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme etwa zwei- bis dreimal besser voraus als die Bereitschaft zu Lebensstiländerungen. Dies deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass hinter beiden Verhaltensweisen unterschiedliche psychologische Prozesse stehen könnten, die weiter erforscht werden sollten.