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Bluthochdruck
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Nach Diagnose sinkt Wille zur Lebensstiländerung

Der wahrgenommene Nutzen beeinflusst, ob Menschen ärztliche Empfehlungen befolgen. Bei Bluthochdruck fördert er vor allem die Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme, weniger dagegen zu dauerhaften Lebensstiländerungen.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 02.09.2026  16:20 Uhr

Das sogenannte Health Belief Model geht davon aus, dass das Gesundheitsverhalten des Einzelnen vom individuell wahrgenommenen Risiko, Schweregrad, Nutzen einer Maßnahme und Hindernissen für eine Verhaltensänderung bestimmt wird. So die Theorie. Doch wie wirken sich die einzelnen Faktoren in der Praxis aus? Und warum befolgen Menschen den Empfehlungen ihres Arztes bezüglich einer Bluthochdruck-Therapie – oder auch nicht?

Dieser Frage ging ein Team um Professor Dr. Yotam Ophir von der University of Buffalo im Bundesstaat New York, USA, nach. Dazu wurden 1398 US-Amerikaner mit einem mittleren Alter von 52 Jahren befragt. Bei 46 Prozent der Teilnehmer war bereits ein erhöhter Blutdruck diagnostiziert worden. Im Fokus des Interesses stand die Frage, ob und wie sehr die Teilnehmer bereit sind, ihren Lebensstil zu ändern oder Medikamente zu nehmen, um ihre Gesundheit zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen.

Überraschenderweise zeigten diagnostizierte Hypertoniker eine höhere Bereitschaft, ärztlichen Empfehlungen zur Medikamenteneinnahme zu folgen, zugleich aber eine geringere Bereitschaft zu empfohlenen Lebensstiländerungen. Über die Ergebnisse berichten die Autoren im Journal »Hypertension« der American Heart Association.

Lebensstil birgt viel Potenzial

Laut aktueller US-Leitlinie kann eine Änderung des Lebensstils den Blutdruck deutlich senken. Zu den wirksamen Maßnahmen zählen Gewichtsreduktion, Kochsalzrestriktion, regelmäßige Bewegung, die DASH-Diät sowie weitere verhaltensbezogene Ansätze. Mehrere Maßnahmen können sich dabei additiv ergänzen. Genug Gründe also, Lebensstilmaßnahmen als wichtigen Bestandteil der Blutdrucktherapie zu nutzen.

Auch bei den Teilnehmern zeigte sich die Bereitschaft zu einem gesunden Lebensstil – wenn ein Nutzen empfunden wurde (Odds Ratio, OR 3,38). Insbesondere Teilnehmer ohne Bluthochdruck standen den Vorteilen einer Lebensstiländerung positiv gegenüber. Die wahrgenommenen Vorteile standen klar positiv im Zusammenhang mit der Absicht, Empfehlungen zum Lebensstil zu befolgen (OR, 3,64). Dies traf jedoch nicht auf diagnostizierte Hypertoniker zu (OR 1,00).

Bluthochdruck ändert Sichtweise

Die Auswertung zeigte auch, dass diagnostizierter Bluthochdruck das Pendel in Richtung Medikation ausschlagen ließ: Die Teilnehmer sahen in erster Linie in einer medikamentösen Therapie einen Weg, ihren Blutdruck zu normalisieren (Odds Ratio 3,89). Die Bereitschaft, Empfehlungen zu Lebensstiländerungen zu folgen, fiel dagegen geringer aus (OR 0,52).

Auch wer sich wegen seines Bluthochdrucks sorgte, griff eher zu Arzneimitteln. Eine Motivation für Änderungen des Lebenswandels entstand daraus jedoch nicht. Ein höheres Alter war insgesamt positiv mit der Absicht verbunden, sowohl zu Medikation zu greifen als auch den Lebensstil zu ändern.

Eine Frage des Nutzens und der Kommunikation

Die Kommunikation mit dem Arzt spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Zeitmangel oder das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, verringerten die Bereitschaft sowohl zur Arzneimitteleinnahme als auch zu Lebensstiländerungen. Die Stärke des Zusammenhangs fiel in beiden Fällen identisch aus: Die Forscher ermittelten eine Odds Ratio von jeweils 0,66.

Die Autoren folgern daher, dass Menschen mit Bluthochdruck eher bereit sind, ärztlichen Empfehlungen zur Medikamenteneinnahme zu folgen, als ihren Lebensstil dauerhaft zu verändern. Das Health Belief Model sagte die Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme etwa zwei- bis dreimal besser voraus als die Bereitschaft zu Lebensstiländerungen. Dies deutet nach Ansicht der Forscher darauf hin, dass hinter beiden Verhaltensweisen unterschiedliche psychologische Prozesse stehen könnten, die weiter erforscht werden sollten.

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