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Herzrhythmusstörungen und Luftnot

Myokarditis: Attacke auf den Herzmuskel

Ein Virusinfekt sollte immer auskuriert werden, der Patient sich schonen. Ansonsten droht eine Herzmuskelentzündung, die zu irreversibler Herzschwäche führen kann. Sport ist beim akuten Infekt tabu.
Judith Schmitz
04.11.2020  16:30 Uhr

Die Myokarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Sie betrifft je nach Schwere der Entzündung die Herzmuskelzellen, das Bindegewebe sowie die die Zellen versorgenden Blutgefäße. Ist der Herzbeutel, der den Herzmuskel überdeckt, ebenfalls entzündet, liegt eine Perikarditis vor. »Die Ursachen für eine Myokarditis sind vielfältig. In den westlichen Industrieländern ist sie meist viral bedingt. Tritt sie dazu noch im Herbst und Winter auf, ist der Auslöser häufig ein Erkältungsvirus«, sagt Professor Dr. Ingrid Kindermann vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Meist betrifft die Erkrankung jüngere Menschen.

Manchmal befällt ein Virus nicht nur ein bestimmtes Gewebe, wie etwa die Nasenschleimhaut und die -nebenhöhlen bei einer Erkältung. Wenn es der Immunabwehr nicht gelingt, das Virus am weiteren Vordringen zu hindern, kann es über das Blut zum Herzmuskel gelangen und dort eine Entzündung auslösen. Wie oft das geschieht, ist nicht genau bekannt, auch weil häufig Virusmyokarditiden klinisch unauffällig verlaufen und spontan ausheilen.

Die Erkrankung ist allerdings nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wird die Infektion vom Immunsystem nicht erfolgreich bekämpft, werden die Zellen des Herzmuskels und des umliegenden Gewebes fortwährend durch immunologische Prozesse geschädigt. Eine dilatative Kardiomyopathie, bei der der Herzmuskel erweitert ist und nicht mehr kräftig genug pumpt, kann sich zu einer irreversiblen Herzinsuffizienz entwickeln. Bei einigen Patienten ist die Herzschwäche so gravierend, dass sie daran versterben. Andere kann nur ein Herzunterstützungssystem oder eine Herztransplantation davor bewahren. »Patienten mit einer Virusmyokarditis, die einen plötzlichen, schnellen und schwerwiegenden Verlauf zeigen, haben eine sehr gute Prognose, wenn sie frühzeitig eine medikamentöse Therapie oder selten auch eine mechanische Kreislaufunterstützung erhalten«, weiß Kindermann.

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