Gerade im Mittelmeerraum sollte wegen mückenübertragener Infektionen der Mückenschutz so wichtig werden wie der Sonnenschutz. / © Getty Images/swissmediavision
Tropische Infektionserreger in Europa, ein sich rasch verändernder Alpenraum, eine fortschreitende Erwärmung der Ostsee: Der Klimawandel verändert den europäischen Kontinent. Das bekommen auch Reisende zu spüren: Bei Reisen in Deutschlands und Europa müssen sie neue Gesundheitsrisiken im Blick behalten. Darauf macht die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) aufmerksam.
So kann man zum Beispiel bei Mittelmeerreisen auf ursprünglich tropische Viren treffen. Chikungunya-, Dengue- und West-Nil-Viren dringen inzwischen in rascher Geschwindigkeit auch in Europa vor. »Auffällig war im vergangenen Sommer 2025 ein erster Chikungunya-Fall im Elsass – dieser markiert die bislang nördlichste dokumentierte lokale Übertragung von Chikungunya in Europa«, sagt Professor Dr. Tomas Jelinek, Tropenmediziner und Präsident der DFR, in der Mitteilung einer Gesellschaft. »Ob es sich dabei um einen Ausreißer oder einen Vorboten für anhaltende Übertragungen in der Region handelt, ist noch unklar.«
Zurückzuführen ist die Entwicklung auf die Ausbreitung invasiver Stechmückenarten, die als Überträger dienen – allen voran die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Nach Angaben der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC ist Aedes albopictus inzwischen in 16 europäischen Ländern und 369 Regionen heimisch – vor einem Jahrzehnt waren es nur 114 Regionen. Das spiegelt sich auch in den Fallzahlen wider: 2025 meldete das ECDC Rekordzahlen von Chikungunya-Fällen in Frankreich (788 Fälle) und Italien (384 Fälle). Beim West-Nil-Virus verzeichnete das ECDC die vierthöchste jährliche Zahl von Infektionen seit Beginn der Überwachung im Jahr 2008.
»Sorgfältiger Mückenschutz als Gesundheitsvorsorge muss vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie die Verwendung von Sonnencreme zur Vorbeugung von Hautkrebs«, betont Jelinek.
Wichtig: Reisende sollten sich auch nach der Rückkehr weiter schützen – mindestens 14 Tage lang, wenn sie aus Regionen mit mückenübertragenen Infektionen kommen. Denn Aedes-Mücken kommen bereits in Teilen Deutschlands vor, übertragen hier aber bislang keine Krankheiten. »Nimmt eine Mücke bei einem infizierten Reiserückkehrer das Virus auf, kann es auch innerhalb Deutschlands zu Übertragungen kommen«, so Jelinek.