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Sommerurlaub in Europa
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Mückenschutz wird genauso wichtig wie Sonnenschutz

Der Klimawandel verändert das Reisen in Europa zunehmend. Darauf weist die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin hin. Es tun sich neue Gesundheitsrisiken auf – von mückenübertragenen Krankheiten über Hitze in Großstädten bis zu schmelzenden Gletschern. 
AutorKontaktPZ
Datum 04.06.2026  09:00 Uhr

Tropische Infektionserreger in Europa, ein sich rasch verändernder Alpenraum, eine fortschreitende Erwärmung der Ostsee: Der Klimawandel verändert den europäischen Kontinent. Das bekommen auch Reisende zu spüren: Bei Reisen in Deutschlands und Europa müssen sie neue Gesundheitsrisiken im Blick behalten. Darauf macht die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) aufmerksam.

So kann man zum Beispiel bei Mittelmeerreisen auf ursprünglich tropische Viren treffen. Chikungunya-, Dengue- und West-Nil-Viren dringen inzwischen in rascher Geschwindigkeit auch in Europa vor. »Auffällig war im vergangenen Sommer 2025 ein erster Chikungunya-Fall im Elsass – dieser markiert die bislang nördlichste dokumentierte lokale Übertragung von Chikungunya in Europa«, sagt Professor Dr. Tomas Jelinek, Tropenmediziner und Präsident der DFR, in der Mitteilung einer Gesellschaft. »Ob es sich dabei um einen Ausreißer oder einen Vorboten für anhaltende Übertragungen in der Region handelt, ist noch unklar.«

Zurückzuführen ist die Entwicklung auf die Ausbreitung invasiver Stechmückenarten, die als Überträger dienen – allen voran die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Nach Angaben der Europäischen Gesundheitsbehörde ECDC ist Aedes albopictus inzwischen in 16 europäischen Ländern und 369 Regionen heimisch – vor einem Jahrzehnt waren es nur 114 Regionen. Das spiegelt sich auch in den Fallzahlen wider: 2025 meldete das ECDC Rekordzahlen von Chikungunya-Fällen in Frankreich (788 Fälle) und Italien (384 Fälle). Beim West-Nil-Virus verzeichnete das ECDC die vierthöchste jährliche Zahl von Infektionen seit Beginn der Überwachung im Jahr 2008.

»Sorgfältiger Mückenschutz als Gesundheitsvorsorge muss vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie die Verwendung von Sonnencreme zur Vorbeugung von Hautkrebs«, betont Jelinek.

Wichtig: Reisende sollten sich auch nach der Rückkehr weiter schützen – mindestens 14 Tage lang, wenn sie aus Regionen mit mückenübertragenen Infektionen kommen. Denn Aedes-Mücken kommen bereits in Teilen Deutschlands vor, übertragen hier aber bislang keine Krankheiten. »Nimmt eine Mücke bei einem infizierten Reiserückkehrer das Virus auf, kann es auch innerhalb Deutschlands zu Übertragungen kommen«, so Jelinek.

Vorsicht vor Vibrionen in Ost- und Nordsee

Auch beim Baden in der Ost- oder in der Nordsee gibt es ein neues Gesundheitsrisiko zu beachten: Die Ostsee erwärmt sich rasch und bietet daher ideale Bedingungen für die Verbreitung von Vibrionen. Zum Teil  sind diese Bedingungen auch in Abschnitten der Nordsee gegeben.

Vor allem bei älteren und vorerkrankten Menschen können Vibrionen Wundinfektionen und sogar Blutvergiftungen auslösen, wenn sie über kleine Wunden in den Körper eindringen. »Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sollten vor Ort immer auf Vibrionen-Warnungen der lokalen Behörden zu belasteten Küstenabschnitten achten, und das Schwimmen dort meiden«, empfiehlt Jelinek.

Städtereisen im Sommer für Risikogruppen riskant

In europäischen Metropolen kann es in den kommenden Jahren in den Sommermonaten häufig zu extremen Hitzeereignisse kommen. Durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Vegetation heizen sich die Städte stark auf und kühlen nachts wenig ab. Prognosen zufolge könnte dies vor allem Madrid, Valletta, Lefkosia, Ljubljana, Rom, Sofia, Athen, Bukarest, Budapest sowie Zürich betreffen.

Die Hitze kann besonders für ältere Menschen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes,  neurologischen Erkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion ein Problem werden. Auch Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder benötigen besonderen Schutz. »Für Risikogruppen kann es sinnvoll sein, Reisezeit und Reiseziel anzupassen, also beliebte Städtereisen außerhalb der Hochsommermonate zu legen«, so Jelinek.

Gefahren beim sommerlichen Bergsteigen

Der Klimawandel betrifft auch die Alpen, etwa in Form von abschmelzenden Gletschern, auftauenden Permafrostböden mit der Folge von instabileren Bergflanken und Felswänden sowie von häufigeren und intensiveren Hitzeperioden oder Starkniederschlägen. »Die Verhältnisse in großen Höhen werden insgesamt unberechenbarer, Jahreszeiten folgen weniger dem bekannten Muster früherer Jahrzehnte«, so Jelinek.

Dem Deutschen Alpenverein zufolge weisen Touren, die üblicherweise im Sommer gemacht wurden, zunehmend nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Verhältnisse auf. Das erfordert von Bergurlaubern eine sorgfältigere Tourenplanung und Risikoabschätzung. Lokale Wetter- und Warninformationen sollten engmaschig verfolgt werden.

»Insgesamt sind Urlaube in Europa auch in Zeiten des Klimawandels mit der richtigen Vorbereitung sehr sicher«, so Jelinek. Gleichzeitig bringe das Reisen selbst eine erhebliche Klima- und Umweltbelastung mit sich. Urlauber sollten deshalb immer auch überlegen, was sie dazu beitragen können, diese Belastungen gering zu halten.

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