| Christina Hohmann-Jeddi |
| 18.06.2026 16:00 Uhr |
Antikörper, die infolge einer mRNA-Grippeimpfung gebildet wurden, erkennen mehr Influenzavirus-Varianten als Antikörper, die nach einer herkömmlichen Impfung gebildet wurden. / © Getty Images/Nanoclustering/Science Photo Library
Das US-Unternehmen Moderna hat in diesem Jahr den ersten Kombinationsimpfstoff gegen Influenza und Covid-19 in der EU zur Zulassung gebracht. Das Präparat mCombriax® enthält den SARS-CoV-2-Anteil mRNA-1283 und mRNA-1010 zum Schutz vor Grippeerkrankungen. mRNA-1010 wird in den USA als Einzelimpfstoff zum Grippeschutz von der Zulassungsbehörde FDA geprüft. Der Kandidat hatte in Vergleichsstudien mit herkömmlichen Grippeimpfstoffen einen um 26,6 Prozent besseren Schutz gezeigt.
Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis wollten wissen, wie der bessere Schutz zustande kommt, und untersuchten dazu die immunologischen Reaktionen bei 75 gesunden jüngeren Erwachsenen (Durchschnittsalter 30 Jahre). 38 der Probanden erhielten in den Grippesaisons 2022 bis 2024 mRNA-1010 und 37 Teilnehmer einen Split-Virion-Grippeimpfstoff (Fluarix®). Die Ergebnisse veröffentlichte das Team um Hanover C. Matz jetzt im Fachjournal »Nature Immunology«.
Es zeigte sich, dass der mRNA-Impfstoff nicht nur mehr spezifische Antikörper hervorruft, sondern auch mehr Gedächtnis-B-Zellen. Diese sind entscheidend für eine schnelle Immunreaktion bei späteren Infektionen.
In einer Untergruppe von 13 Geimpften, die den mRNA-Impfstoff erhalten hatten, untersuchte das Team deren Keimzentren (Germinal Centers, GC). Diese fungieren quasi als Ausbildungszentren des Immunsystems, in denen B-Zellen ihre Fähigkeit verbessern, das Virus zu erkennen, und leicht unterschiedliche Varianten von sich selbst bilden.
In den Lymphknoten löste die mRNA-Impfung anhaltende Keimzentrumsreaktionen aus. Diese hielten bei 5 der 13 Geimpften über beide Jahreszeiten hinweg mindestens 26 Wochen nach der Impfung an. Je länger diese Keimzentren aktiv sind, desto breiter und vielfältiger ist meist das entstehende Antikörperrepertoire.
Das bestätigte sich in Antikörperbindungs-Assays: Die nach der mRNA-Impfung gebildeten Antikörper erkannten die Virusvarianten aus mehreren Jahrzehnten der Influenzavirus-Evolution. Klassische Influenza-Impfstoffe schnitten hier deutlich schlechter ab.
»Wir stellen fest, dass der mRNA-Grippeimpfstoff nicht nur die Reaktion des Immunsystems auf bereits bekannte Erreger verstärkt, sondern auch dazu beitragen kann, die Antikörperreaktion zu erweitern und zu diversifizieren, sodass ein breiteres Spektrum an Grippestämmen abgedeckt wird«, sagt Dr. Ali Ellebedy, leitender Autor der Studie. »Wenn es uns gelingt, die Immunität gegen die Grippe breiter und dauerhafter zu gestalten, könnte dies zu weniger Krankenhausaufenthalten und Todesfällen führen, was erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hätte.«
Die Autoren sehen in mRNA-Impfstoffen eine potenzielle Plattform für einen Universalimpfstoff, da sie sowohl einen starken Schutz gegen antigenisch driftende saisonale Grippevirusstämme als auch eine breite Bindungsfähigkeit gegenüber abweichenden Stämmen bieten.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.