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Cannabis-Diskussion

Movassat: »In Apotheken kaufe ich auch nicht mein Bier«

Bald kontrollierte Abgabe von Genuss-Cannabis?

Die Runde diskutierte auch über die kontrollierte Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken an Erwachsene. Blienert skizzierte etwa einen konkreten Plan für die neue Legislaturperiode, sollte die SPD Teil der nächsten Regierung sein. 2022 könnte das »Cannabis-Kontrollgesetz« der Grünen als Blaupause für einen neuen Gesetzentwurf genutzt werden. Dieser Entwurf könnte 2023 dann im Kabinett vorliegen und mit einer regulierten und kontrollierten Cannabis-Abgabe im Jahr 2024 abgeschlossen werden. Zudem würde sich Blienert nicht gegen Modellprojekte stellen. In einigen Städten seien bereits Beschlüsse zur kontrollierten Abgabe von Cannabis gefasst worden. Allerdings hätten diese, wie beispielsweise die Stadt Berlin, noch kein entsprechendes grünes Licht erhalten, kritisierte der Grünen-Politiker Graf.

Ob Apotheken bei einer möglichen kontrollierten, aber legalen Abgabe von Cannabis eine Rolle spielen sollten, ist umstritten. Schinnenburg sieht Apotheken sowie speziell lizensierten Geschäfte als mögliche Orte der kontrollierten Abgabe von Cannabis. Die Linken sehen das anders: Sie fordern die regulierte Abgabe von Cannabis über Cannabis-Fachgeschäfte und Cannabis Social Clubs, die für den Eigenbedarf sogar anbauen dürften. »Apotheken wollen wir nicht drin haben. In Apotheken kaufe ich auch nicht mein Bier. Das ist nicht der Ort, zu dem man zu Freizeit- und Genusszwecken hingeht, sondern wenn man bestimmte medizinische Indikatoren hat«, sagte Movassat. Auch für Graf sind Apotheken nicht die richtigen Orte für die Abgabe von Genussmittel. Jedoch sei es eine Detailfrage, ob Apotheken oder kontrollierte Fachgeschäfte hier die richtigen Stellen sind. Viel wichtiger sei es, hier einen Schritt in Richtung regulierte Abgabe zunächst über Modellprojekte zu kommen.

Die Standesvertretung der Apotheker hält sich bei diesem Thema bislang bedeckt. Aus Sicht der ABDA seien Apotheken zwar in der Lage, Cannabis auch zu Genusszwecken abzugeben. Es sei aber eine ganz andere Frage, ob sie das auch wollen und ob das sinnvoll sei, erklärte Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) vor einigen Wochen in einer Sitzung des Gesundheitsausschusses im Bundestag.

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