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Brandenburg
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Modellprojekt gegen den PTA-Mangel

Es braucht dringend neue Impulse, um die PTA-Ausbildung attraktiver zu machen, nicht zuletzt finanzieller Art. Das meint auch der PTA-Schulleiter Clemens Tründelberg und hat getreu seinem Motto »Handeln statt Jammern« ein Modellprojekt ins Leben gerufen, bei dem Apotheken angehende PTA bereits während der Ausbildung finanziell unterstützen. Der Apotheker berichtet, wie das Ganze abläuft.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 05.04.2022  09:00 Uhr

Auf Stipendium folgt Arbeitsoption

Nach dem ersten Jahr endet das Stipendium. Im zweiten Ausbildungsjahr bietet die Schule den angehenden PTA die Möglichkeit, einen Tag pro Woche in einer Apotheke zu arbeiten. »Ich passe dafür den Stundenplan der Schüler so an, dass sie jeden Freitag frei haben«, erklärt Tründelberg. So könnten die Schüler beispielsweise mit acht Stunden Arbeit pro Woche mehr als 300 Euro im Monat dazuverdienen und die Apotheke weiter kennenlernen. »Von der Praxiserfahrung profitieren sie auch im Unterricht, da sie die Sachverhalte besser einordnen können.« Auf Unterrichtsstunden wird nicht verzichtet. »Die Schüler haben weiterhin insgesamt 2600 Schulstunden wie in jedem anderen Bundesland.«

Die Resonanz ist gut: Von 14 Schülerinnen und Schülern, die noch in der Klasse von 2020 sind, hätten zehn jetzt eine Apotheke, in der sie arbeiten. »Viele meiner Schülerinnen und Schüler sind sehr glücklich über diese Gelegenheit.« Die anderen, die sich dagegen entschieden haben, können den freien Tag anderweitig nutzen. »Das ist ja eine freiwillige Sache«, betont Tründelberg. Er sei zudem mit dem Gesundheitsministerium Brandenburg im Austausch und evaluiere, ob es für die Schüler »psychisch oder physisch« zu anstrengend wird.

Das Modellprojekt auf ganz Deutschland auszuweiten, hält der Apotheker für schwierig. Grund seien die unterschiedlichen Strukturen in den Bundesländern. Ist die PTA-Ausbildung in einem Land schulrechtlich organisiert, sind die schulischen Ferienzeiten einzuhalten. »Das ist ein Hindernis, den Stundenplan umzustellen.« In Brandenburg ist die Organisation gesundheitsrechtlich und damit unabhängig von den Ferien.

Stipendien könnten aber im Prinzip überall angeboten werden. »Das würde ich auch empfehlen, dass einfach eine Apotheke sagt ›Ich habe Interesse‹ und, wenn möglich, bei einer PTA-Schule inseriert.« So komme bei den Bewerbern vielleicht an, dass PTA doch ein Beruf mit Zukunft ist – und Apotheken bereit sind, etwas dafür zu investieren.

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