Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Drug Repurposing
-
Mit zwei Krebsmitteln gegen Alzheimer

Obwohl sich bei der Diagnose und der Therapie der Alzheimer-Erkrankung deutliche Fortschritte ankündigen, kann von einem Durchbruch noch keine Rede sein. Neue, kreative Ansätze deuten jetzt allerdings an, dass die Krankheit innovativ behandelbar ist. Dabei spielen zwei Wirkstoffe eine Rolle, die längst bekannt und zugelassen sind.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 22.07.2025  13:00 Uhr

Die Alzheimer-Krankheit (AD) ist eine komplexe, multifaktorielle neurodegenerative Erkrankung mit heterogenen molekularen Veränderungen in verschiedenen Zelltypen. Bisherige Behandlungsansätze, die sich auf einzelne Krankheitsmerkmale oder Gewebspathologien konzentrierten, waren oft unzureichend, was zu einer hohen Misserfolgsquote in der Medikamentenentwicklung führte.

Jetzt richten neuere Ansätze unter anderem den Blick auf Gliazellen. Dies ist eines der Resultate einer umfangreichen Studie von Forschenden um Yaqiao Li vom Bakar Computational Health Sciences Institute an der University of California, San Francisco. In ihrer Studie, deren Ergebnisse jetzt im Wissenschaftsjournal »Cell« publiziert wurden, verfolgen die Forschenden einen zelltypspezifischen und multizellulären Ansatz zur Wirkstofffindung, der auf menschlichen Daten und realer klinischer Evidenz basiert. Hierzu integrierten die Forschenden Einzelzell-Transkriptom-Daten von Post-mortem-Gehirnen, Screenings von Wirkstoff-Perturbationsdatenbanken aus menschlichen Zelllinien und Analysen von Patientenakten. Ziel war es, gestörte Gennetzwerke in Neuronen und Gliazellen gezielt zu korrigieren.

Auf Basis dieser umfassenden Screenings konnten die Forschenden die Kombination aus dem Aromatasehemmer Letrozol und dem Topoisomerase-Inhibitor Irinotecan, beide bekannt aus der Krebstherapie, als potenzielle Kombinationsbehandlung einer Alzheimer-Erkrankung identifizieren. Wie die Daten zeigen, entfaltet Letrozol eine zelltypspezifische Wirkung in exzitatorischen und inhibitorischen Neuronen und Irinotecan eine Wirkung auf Zellen des gliazentrierten Clusters, einschließlich Astrozyten, Mikroglia und Oligodendrozyten. Beide Wirkstoffe sind bekanntermaßen Blut-Hirn-Schranken-gängig.

Mehr von Avoxa