Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Mikrobiom
-
Mit Probiotika gegen Darmkrebs?

Das Darmmikrobiom trägt nicht nur zur Entstehung von Kolorektalkarzinomen bei, sondern beeinflusst auch den Therapieerfolg bei Krebserkrankungen. Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten an probiotischen Therapien gegen Krebs.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 18.03.2026  10:00 Uhr

Erste klinische Studien zu Probiotika bei Dickdarmkebs

Für klassische Probiotika liegen bereits sieben klinische Studien vor, die die Wirkung von meist Lactobazillen und Saccharomyces boulardii bei Patienten mit Kolonkarzinom untersuchten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Präparate die Zusammensetzung der Darmmikrobiota verändern, sagte der Mediziner. Es fehlten aber Belege dafür, dass die Bakterien die systemischen Immunreaktionen beeinflussen und die Tumormasse reduzieren könnten.

Die Gruppe um Scharl startete daher eine eigene Studie mit dem Multispezies-Probiotikum Omnibiotic® 10 in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Allergosan, um Veränderungen des Immunsystems bei Patienten mit Dickdarmkrebs zu untersuchen – in der Darmschleimhaut und im Blut. Eingeschlossen wurden 24 Patienten mit Dickdarmkrebs, von denen zehn eine Chemotherapie erhielten. Die ersten Daten zeigten, dass sich unter der Probiotika-Einnahme die Lebensqualität verbesserte.

Zudem konnte das Team nachweisen, dass sich unter der 24-wöchigen Behandlung mit dem Probiotikum das Serummetabolom deutlich veränderte. Dabei stiegen die Spiegel von einzelnen Metaboliten wie Tryptophan oder Indol-3-Essigsäure deutlich an. In anderen Untersuchungen hätten diese beide Substanzen einen positiven Effekt auf das Immunsystem gezeigt, berichtete Scharl.

Auch die Zusammensetzung der Immunzellen im Blut der Patienten änderte sich in der 24-wöchigen Behandlungsphase: Während die Zahl der regulatorischen T-Zellen, die Immunantworten abdämpfen, abnahm, stieg die Zahl der natürlichen Killerzellen, die Krebszellen abtöten können. »Die Daten sind eine gute Grundlage, um Probiotika als Krebstherapeutika weiter zu testen«, sagte Scharl.

Weniger Komplikationen bei Krebsoperationen

Daten zur Wirksamkeit von Probiotika in einer anderen Indikation, nämlich der Verhinderung von Diarrhö als häufigste Nebenwirkung von Krebstherapien, stellte Professor Dr. Marion Kiechle von der Technischen Universität München vor.

Durchfall kann laut Kiechle bei Krebspatienten nicht nur als Nebenwirkung der Chemotherapie auftreten, sondern auch Antibiotika-induziert sein. So erhalten etwa Krebspatienten mit Ovarial- oder Kolonkarzinom vor großen Operationen zur Tumorentfernung Antibiotika. »Die Hälfte von ihnen entwickelt eine Antibiotika-induzierte Diarrhö und ein Viertel bis die Hälfte von diesen eine Infektion mit Clostridioides difficile«, berichtete die Frauenärztin.

Kiechle zitierte eine Übersichtsarbeit chinesischer Forschender, die 2025 im Fachjournal »Frontiers in Microbiology« erschienen war. Die Metaanalyse schloss insgesamt Daten von mehr als 16.000 Patienten ein. Demnach konnte eine Probiotika-Gabe vor einer Darmkrebsoperation das Risiko für Wund-, Harnwegs- und Lungeninfektionen im Vergleich zur Kontrollgruppe senken. »Und auch die Inzidenz der Diarrhö sank signifikant«, berichtete Kiechle. Am häufigsten wurden Lactobazillen und Bifidobakterien eingesetzt.

Laut der Referentin spreche viel dafür, Probiotika bei Krebspatienten einzusetzen, um das Risiko für perioperative Komplikationen zu senken sowie die Verträglichkeit der Chemotherapie zu verbessern. Es fehlen aber noch Daten, die eine Empfehlung rechtfertigen.

Mehr von Avoxa