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Impfquoten
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Mit niedrigschwelligen Angeboten gegen Impflücken

Deutschland weist in allen Altersgruppen relevante Impflücken auf. Experten sind davon überzeugt, dass mit Schulimpfprogrammen, Apothekenimpfungen und Impferinnerungen entgegengewirkt werden könnte.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 25.09.2026  11:00 Uhr

Das Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigt deutliche Impflücken in verschiedenen Altersgruppen. So liegen die Impfquoten gegen Humane Papillomaviren (HPV) bei Mädchen und Jungen lediglich bei 55 beziehungsweise 36 Prozent.

Auch bei den über 60-Jährigen werden empfohlene Impfungen bislang nur unzureichend wahrgenommen: Gegen Influenza, Covid-19, Pneumokokken und Herpes Zoster sind lediglich 34, 13, 21 beziehungsweise 24 Prozent dieser Altersgruppe geimpft.

Zudem weisen Menschen mit chronischen Erkrankungen häufig niedrige Impfquoten auf. So ist laut Dr. Kevin Schulte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel weniger als jeder zweite chronisch nierenerkrankte und weniger als jeder dritte nierentransplantierte Patient gegen Influenza geimpft.

Der Zugang ist entscheidend

Um bestehende Impflücken zu schließen, richtet sich der Blick zunehmend auf den Zugang zu Impfungen. In Deutschland werden diese bislang vor allem im Rahmen von Arztbesuchen angeboten oder müssen gar aktiv nachgefragt werden.

Andere Länder setzen dagegen stärker auf strukturierte Programme, etwa an Schulen oder durch Erinnerungssysteme. Daher werden auch hierzulande verschiedene Maßnahmen diskutiert, um Impfungen niedrigschwelliger anzubieten. Als Vorbilder gelten insbesondere europäische Länder, die mit entsprechenden Angeboten teils höhere Impfquoten erreichen.

»Eine Impflücke ist nicht automatisch eine Überzeugungslücke. Wer die Impfquoten steigern will, muss die Impfung zu den Menschen bringen«, verdeutlicht Professor Dr. Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, gegenüber dem Science Media Center (SMC).

Auch in Deutschland wurde zuletzt der rechtliche Rahmen für niedrigschwellige Impfangebote erweitert. Mit der Apothekenreform können in Apotheken künftig neben Influenza- und Covid-19-Vakzinen auch weitere Totimpfstoffe verabreicht werden. »Ich halte die Ausweitung auf Totimpfstoffe für richtig. Wer zur Grippeimpfung in die Apotheke kommt, sollte die fällige Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten gleich mitbekommen können. Großes Potenzial sehe ich auch bei Pneumokokken, Gürtelrose und RSV, gegen die viele Ältere noch ungeschützt sind«, so Lehr weiter.

Ähnlich sieht das auch Professor Dr. Sylvia Thun, Direktorin für Digitale Medizin und Interoperabilität der Charité Berlin: »Apothekenimpfungen haben einen hohen Effekt durch leichten Zugang.«

Effektive Maßnahmen bündeln

Einig waren sich die vom SMC befragten Experten darin, dass sich Impfquoten nicht durch einen einzelnen Ansatz steigern lassen. Vielmehr sei eine Mischung verschiedener Maßnahmen nötig. Dazu zählen strukturierte Erinnerungs- und Recall-Systeme, digitale Impfmanagementlösungen, niedrigschwellige Impfangebote in Apotheken, Schulen, Betrieben oder bei Vorsorgeuntersuchungen sowie eine bessere Integration von Impfungen in den Versorgungsalltag. Ebenso wichtig sind eine persönliche Impfempfehlung durch vertraute Ärztinnen und Ärzte, eine gute Aufklärung und der Abbau organisatorischer Hürden.

Entscheidend sei, Impfungen nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie systematisch zu fördern und möglichst einfach zugänglich zu machen. Mögliche Wege zur Steigerung der Impfquoten wurden auch auf der Expopharm in München diskutiert.

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