| Daniela Hüttemann |
| 08.09.2026 14:00 Uhr |
Wissensvermittlung, Symptomtracking, Achtsamkeitsübungen: Die Apps sollen den Anwenderinnen helfen, einen besseren Umgang mit Wechseljahrs-Beschwerden zu finden. / © Getty Images/kate_sept2004
Neben einer ursächlichen Therapie ist oft der Umgang mit Krankheiten und Beschwerden für das Wohlbefinden entscheidend. Dabei können in immer mehr Indikationen digitale Gesundheitsanwendungen helfen, ob bei Schlafstörungen, Diabetes oder Übergewicht. Nun sind die Wechseljahre keine Krankheit. Trotzdem leiden viele Frauen während der hormonellen Übergangsphase unter verschiedensten Symptomen. Seit diesem Jahr stehen erstmals zwei Apps zur Verfügung, die die Belastung verringern sollen. Sie können von Ärzten oder Psychotherapeuten verordnet werden, zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Seit Januar steht mit der »Vera-App« eine DiGA zur Verfügung, die vor allem Wissen rund um die Wechseljahre vermittelt und einen Symptomtracker umfasst, ob Schlafprobleme, vaginale Trockenheit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen oder Hitzewallungen. Damit soll die Anwenderin Zusammenhänge, Veränderungen und Muster erkennen und ihren Körper besser verstehen lernen. Ergänzend gibt es Übungen, Tipps und Rezepte, um den Alltag zu erleichtern, sowie Informationen zur medikamentösen Behandlung. Verordnungsfähig ist die App bei Frauen mit mittelschweren Wechseljahrsbeschwerden (mindestens neun Punkte auf der Menopause Rating Scale, MRS II).
Der Nutzen wurde in einer randomisierten Pilotstudie mit 224 Frauen gezeigt. 111 von ihnen nutzten über zwölf Wochen die Vera-App, 113 erhielten die übliche Regelversorgung. Die Frauen füllten verschiedene Fragebögen aus. Es sank unter anderem der MRS-II-Score und die Lebensqualität stieg.
Ganz frisch aufgenommen ins DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde jetzt die »Frieda Menova«-App mit einem Fokus auf Hitzewallungen. In einer randomisierten Studie mit 100 Teilnehmerinnen ging die Belastung durch Hitzewallungen und Nachtschweiß unter den App-Nutzerinnen nach zwölf Wochen bei 70 Prozent deutlich zurück. In der Kontrollgruppe mit herkömmlicher Betreuung war dies nur bei 30 Prozent der Fall. Auch Schlafqualität und allgemeine Wechseljahresbeschwerden besserten sich laut Anbieter Frieda Health.
»Viele Frauen wünschen sich eine wirksame Behandlung ohne Hormone – oder dürfen aus medizinischen Gründen keine nehmen. Die Studie zeigt, dass ein digitales Therapieprogramm diese Lücke schließen kann«, sagt Dr. Susanne Theis, wissenschaftliche Leiterin der Studie, in einer Pressemitteilung des Anbieters.
Auch hier geht es vor allem um Akzeptanz und Bewältigung von Hitzewallungen, Schlafproblemen und emotionalem Stress mittels Wissensvermittlung, Symptomtracking und Übungen. Nach einer kurzen Anamnese passe sich das Programm an die beschriebenen Beschwerden an. Der Aufwand liege bei etwa sieben Minuten am Tag. Auf den zugehörigen Website gibt es auch kostenlose Symptomchecks.
Beide Apps sind vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen. Das heißt, die Anbieter müssen weitere Wirksamkeitsnachweise erbringen.