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Rücken
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Mit chronischen Schmerzen leben lernen

Schmerzen im unteren Rücken sind weltweit die häufigste Ursache für Lebensjahre mit gesundheitlicher Einschränkung. Meist gibt es keinen spezifischen Schmerzauslöser und Therapien helfen nur kurzfristig, sodass Betroffene lernen müssen, mit chronischen Rückenschmerzen zu leben.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 04.08.2026  09:00 Uhr

Besorgnis nehmen, zu Bewegung ermuntern

Dennoch ist gerade die Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität der wichtigste Rat für Patienten, zusammen mit dem Hinweis, dass ihre Schmerzen mit großer Wahrscheinlichkeit keine schwerwiegende Ursache haben. Betroffene sollen dazu ermutigt werden, ihre üblichen Tagesaktivitäten inklusive Arbeit beizubehalten und sich nicht körperlich zu schonen.

Therapien der ersten Wahl bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen sind laut dem Übersichtsartikel Wärmeanwendungen, manuelle Therapie (spinale Manipulation), Massage und Akupunktur, aber ebenso nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Naproxen. Nicht empfohlen werden Paracetamol (kein überzeugender Wirksamkeitsnachweis in dieser Indikation) und Benzodiazepine (sedierende Wirkung). Opioide sollten Patienten mit schweren, einschränkenden Beschwerden vorbehalten bleiben, die auf andere Therapien nicht ansprechen.

Bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen sehen die Erstlinien-Empfehlungen demnach etwas anders aus und umfassen Bewegung jeder Art, psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie, multi­disziplinäre Ansätze, die Schmerz­management, Bewegung und psychologische Interventionen kombinieren, sowie spinale Manipulation, Massage und Akupunktur. NSAR sind bei chronischen Beschwerden nur zweite Wahl. Bei Antidepressiva überwiegt das Risiko von Nebenwirkungen die geringen positiven Effekte.

Langfristig kaum wirksam

Gibt es bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen bestimmte Ansätze, die kurz-, mittel- oder langfristig besser wirken als andere? Mit dieser Frage beschäftigte sich ein Team um Professor Dr. Daniel L Belavý von der Hochschule Bochum. Die Forschenden nutzten das statistische Verfahren einer zeitverlaufsbezogenen Netzwerk-Metaanalyse (Time Course Network Meta-Analysis), um die Effekte folgender Verfahren miteinander zu vergleichen: Akupunktur, Aufklärung und Beratung, Elektrotherapie, Bewegungstraining, manuelle Therapie und verschiedene andere physiotherapeutische Verfahren, Massage, die McKenzie-Methode, Pharmakotherapie, Psychotherapie und multidisziplinäres Schmerzmanagement.

Laut der Publikation im Fachjournal »BMJ Medicine« konnte zwar mit einigen Ansätzen wie Akupunktur, Elektrotherapie, Bewegung, manueller Therapie, Massage und multidisziplinärem Schmerzmanagement kurzfristig (innerhalb von einem Tag bis drei Monate) eine klinisch bedeutsame Besserung der Schmerzen erreicht werden. Langfristig (länger als zwölf Monate) hielten diese Effekte jedoch nicht an.

Man müsse daher nach Methoden suchen, um die Wirksamkeit solcher Interventionen bei chronischen Rückenschmerzen langfristig zu boostern, schreiben die Autoren in der Diskussion ihrer Ergebnisse. Es gelte, Patienten individuell angepasste Methoden zum Selbstmanagement zu vermitteln. Wie wichtig eine individuelle Betreuung der Patienten sei, zeige sich auch daran, dass gemäß ihrer Auswertung verschiedene therapeutische Ansätze mit unterschiedlichen (postulierten) Wirkmechanismen ähnliche Effekte erzielen.

Dies lasse darauf schließen, dass statt eines spezifischen Wirkmechanismus bei chronischen Rückenschmerzen vielmehr der Behandlungskontext für den Therapieerfolg wichtig ist: Patienten müssten sich von ihrem Behandler ernst genommen fühlen und mit diesem zusammen nach für sie passenden Methoden zur Schmerzlinderung, aber auch nach einem Ansatz zum Umgang mit ihren Schmerzen suchen.

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