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Rücken
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Mit chronischen Schmerzen leben lernen

Schmerzen im unteren Rücken sind weltweit die häufigste Ursache für Lebensjahre mit gesundheitlicher Einschränkung. Meist gibt es keinen spezifischen Schmerzauslöser und Therapien helfen nur kurzfristig, sodass Betroffene lernen müssen, mit chronischen Rückenschmerzen zu leben.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 04.08.2026  09:00 Uhr

Rückenschmerzen sind sehr belastend, oft hartnäckig – und die häufigsten Gesundheitsbeschwerden der Welt. Laut einem Übersichtsartikel, den ein Autorenteam um Dr. Aidan G. Cashin von der University of New South Wales in Sydney, Australien, kürzlich im Fachjournal »JAMA« veröffentlichte, leiden weltweit etwa 619 Millionen Menschen an Schmerzen im unteren Rücken. Bei einer Weltbevölkerung von derzeit rund 8,4 Millarden sind das etwa 7,4 Prozent aller Menschen. Frauen sind mit einer altersstandardisierten Prävalenz von 9330 pro 100.000 häufiger betroffen als Männer (5220 pro 100.000).

In neun von zehn Fällen handelt es sich um unspezifische Rückenschmerzen; es ist also keine spezifische Ursache erkennbar. Abhängig davon, wie lange die Schmerzen persistieren, unterscheidet man akute Rückenschmerzen mit einer Dauer von weniger als sechs Wochen von subakuten (sechs bis zwölf Wochen) und chronischen Rückenschmerzen (länger als zwölf Wochen).

Je länger die Schmerzen anhalten, umso weniger wahrscheinlich wird es, dass sie von selbst wieder verschwinden: Laut dem Artikel erholen sich knapp drei Viertel aller Patienten mit akuten unspezifischen Rückenschmerzen (72 Prozent) innerhalb eines Jahres vollständig davon, während dieser Anteil bei Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen lediglich 42 Prozent beträgt.

Red Flags abchecken

Stellt sich ein Patient mit Rückenschmerzen beim Arzt vor, müssen zunächst mögliche spezifische und potenziell schwerwiegende Ursachen ausgeschlossen werden. Solche können etwa eine akute oder chronische Reizung oder Schädigung von Nervenwurzeln im Bereich der Wirbelsäule (Radikulopathie), die Verengung eines Wirbelkanals (Spinalkanalstenose), Frakturen, eine axiale Spondyloarthritis, eine Infektion oder ein Tumor sein. Red Flags, die auf solche Ursachen hindeuten können, sind unter anderem Krebs in der Anamnese (vor allem Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs), Osteoporose, die Einnahme oraler Corticosteroide über mindestens sechs Monate, schwere Traumata, Alter über 70 Jahre, Fieber und Morgensteifigkeit über mehr als 30 Minuten.

Unspezifische Rückenschmerzen werden demgegenüber als ein heterogenes Beschwerdebild gesehen, an dem biologische, psychologische, soziale und berufliche sowie sozioökonomische Faktoren beteiligt sein können. Zu den biologischen Faktoren zählen etwa Funktionsstörungen von Muskeln, Gelenken oder Bändern im Rücken, zu den psychologischen Faktoren Depression, Ängstlichkeit und eine negative Sichtweise auf den Rückenschmerz. Im Sozialen spielen darüber hinaus eine hohe Arbeitsbelastung und wenig Selbstwirksamkeit am Arbeitsplatz sowie sozioökonomische Benachteiligung eine Rolle. Welcher Aspekt im Einzelnen wie stark ins Gewicht fällt, ist individuell unterschiedlich, weshalb auch die Art des Schmerzes und das Ansprechen auf verschiedene Behandlungsansätze von Patient zu Patient variieren.

Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen klagen typischerweise über Schmerzen beim Bücken, Heben, Gehen oder beim Sitzen beziehungsweise Stehen in ein und derselben Position über längere Zeit. Der Schmerz kann ins Gesäß oder ins Bein ausstrahlen. Bewegung verschlimmert die Beschwerden oft.

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