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Abnehmspritzen
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Mit Apitegromab die Muskelmasse erhalten

Mit den Abnehmspritzen lassen sich bekanntlich deutliche Gewichtsverluste erzielen. Allerdings wird dabei nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse abgebaut. Der Antikörper Apitegromab soll das verhindern. Jetzt liegen Phase-II-Daten in Kombination mit Tirzepatid vor.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 11.06.2026  12:30 Uhr

GLP-1-Rezeptoragonisten helfen vielen Menschen 10 Prozent und mehr ihres ursprünglichen Körpergewichts zu verlieren. Das entspricht mitunter Dutzenden von Kilos. Dabei wird jedoch nicht nur überschüssiges Körperfett abgebaut, sondern auch die sogenannte fettfreie Körpermasse (Magermasse), zu der die inneren Organe, Knochen und vor allem Skelettmuskeln gehören.

Vor allem der Muskelmasseverlust ist ein unerwünschter Effekt, da sich verlorene Muskelmasse nur schwer wieder aufbauen lässt, zumal nach dem Absetzen der Abnehmspritze oft wieder Gewicht zugelegt wird und sich das Verhältnis von Muskeln zu Fett dabei in der Regel verschlechtert. Das hat langfristig negative Auswirkungen wie Gebrechlichkeit, Sturzgefahr und ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche. Patienten unter Abnehmspritzen sollten daher unbedingt auf eine proteinreiche Ernährung achten und regelmäßig Krafttraining betreiben. Das gilt übrigens auch bei einer arzneimittelfreien kalorienreduzierten Diät.

Zugleich sucht die Pharmaindustrie nach Wegen, um den Muskelmasseverlust pharmakologisch abzubremsen – nicht nur für Adipositas-Patienten – auch Krebspatienten beispielsweise würden profitieren. Insbesondere Menschen mit schweren Begleiterkrankungen, für die eine zusätzliche sportliche Betätigung kaum möglich ist, könnten von einer Kombinationstherapie profitieren. Es sind mehrere Arzneistoffkandidaten in der Pipeline.

Antikörper bremst Myostatin aus

Der monoklonale Antikörper Apitegromab blockiert das Protein Myostatin, das in der Regulation des Muskelwachstums ein wichtige Rolle spielt. Normalerweise limitiert es den Muskelaufbau, um den Körper vor Überlastung und übermäßigem Energieverbrauch zu schützen. Der monoklonale Antikörper schaltet diese natürliche Bremsfunktion aus.

Der Arzneistoffkandidat des US-Biopharmaunternehmens Scholar Rock wird in erster Linie für Patienten mit Muskeldystrophien und neuromuskuläre Erkrankungen entwickelt. Diese Woche wurden nun aber Phase-II-Daten der EMBRAZE-Studie mit übergewichten Patienten im Fachjournal »Nature Medicine« veröffentlicht.

In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie bekamen 102 übergewichtige oder adipöse Personen Tirzepatid und zusätzlich Apitegromab oder Placebo über 24 Wochen. Der Gewichtsverlust war am Ende des Anwendungszeitraums vergleichbar. Aber unter Apitegromab verloren Patienten 1,9 Kilogramm fettfreie Körpermasse weniger als die Placebogruppe.

Apitegromab halbiert den Verlust von fettfreier Körpermasse

In der Placebogruppe betrug der Anteil der fettfreien verlorenen Körpermasse fast ein Drittel des Gewichtsverlusts (30,2 Prozent), in der Apitegromab-Gruppe waren es nur 14,6 Prozent. Damit halbierte der Antikörper den Verlust fettfreier Körpermasse, ohne den Gesamtgewichtsverlust zu beeinträchtigen.

Der Antikörper wurde allgemein gut vertragen, mit ähnlichen Raten unerwünschter Ereignisse wie unter Placebo. Dort erlebten 36 von 51 Personen Nebenwirkungen (71 Prozent), während es unter Verum 39 von 51 Probanden waren (76 Prozent).

Die Studienautoren vermuten, dass Apitegromab dazu beitragen könnte, die fettfreie Körpermasse während der Behandlung mit Tirzepatid zu erhalten, und die Zusammensetzung des Gewichtsverlusts verbessern könnte. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Studie relativ klein war, zu mehr als 80 Prozent aus weiblichen Teilnehmenden bestand und Personen mit schweren kardiometabolischen Erkrankungen, darunter Diabetes, ausschloss.

Langfristige Effekte noch unklar

»Prinzipiell sollte die größere Reduktion des Körperfetts auch mit einer Verbesserung kardiometabolischer Parameter und Marker einhergehen. Ob das allerdings tatsächlich auch der Fall sein wird, ist aktuell noch völlig unklar«, erklärte  der nicht an der Studie beteiligte Dr. Henning Tim Langer von der Charité – Universitätsmedizin Berlin gegenüber dem Science Media Center (SMC) Deutschland.

Auch, ob die bewahrte Magermasse nach einem Beenden der Kombinationstherapie erhalten bleibt oder doch noch abnimmt, wenn man zu einer Monotherapie zurückkehrt, sei ungeklärt, so der Leiter der Arbeitsgruppe Muskelschwund an der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin der Charité. Ebenso unklar sei noch, ob die durch die Kombinationstherapie bewahrte Magermasse tatsächlich in einer verbesserten Funktion und Mobilität der Patientinnen und Patienten resultiert und etwaige, zusätzliche Nebeneffekte rechtfertigt. Langer erinnert daran, dass Magermasse nicht gleichzusetzen sei mit Muskelmasse und auf die genaue Zusammensetzung der Körperkomposition geachtet werden sollte.

Viele Fragen in Phase III zu klären

»Das Hauptoutcome, der Effekt des Medikamentes auf die Muskulatur, wurde mit DEXA-Scan gemessen, es wurden aber auch funktionelle Parameter wie die Muskelkraft mitgemessen. Das ist wichtig, um zu zeigen, dass höhere Werte im DEXA-Scan durch das Medikament tatsächlich auch eine bessere muskuläre Funktion für die Patient:innen bedeuten«, erläutert Privatdozent Dr. Haiko Schlögl vom Uniklinikum Leipzig. Der DEXA-Scan ist ein Verfahren mit Röntgenstrahlen, um die Knochendichte zu messen. In einer Phase-III-Studie sollte vor allem darauf sowie auf das kardiovaskuläre Outcome gelegt werden, so der Diabetologe und Ernährungsmediziner an der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie und Rheumatologie.

Professor Dr. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Leiter der Studienzentrale und Professor für Klinische Metabolismus- und Adipositasforschung am Universitätsklinikum Tübingen, rät, in künftigen Studien vor allem das Nebenwirkungsprofil, die Langzeitwirkungen sowie potenzielle Geschlechtsunterschiede genauer zu untersuchen. »Darüber hinaus bleibt abzuwarten, ob Patientinnen und Patienten mit metabolischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 ähnlich gut von der Therapie profitieren.« Leider seien zudem in der aktuellen Studie keine Daten zur körperlichen Aktivität und zum Muskeltraining erfasst worden. 

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