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SARS-CoV-2

Mildere Coronavirus-Infektionen durch Mutation

Welche Folgen Mutationen bei SARS-CoV-2 haben könnten, berichtete Professor Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité bereits im März im NDR-Podcast. Coronaviren mutierten, so der Virologe. Das geschehe zwar nicht rasch, aber dennoch träten immer wieder Mutationen auf – auch bei SARS-CoV-2. »Wir können uns darauf verlassen, dass das Virus mutiert«, sagte Drosten. Ebenfalls sicher sei, dass das Virus dabei neue Eigenschaften annehme.

Sorgen müsse das nicht bereiten. Die meisten Mutationen seien schädlich für das Virus und würden durch konkurrierende Virusstämme ausgemerzt. Selektiert würde unter Konkurrenzdruck immer auf bessere Übertragbarkeit, nicht auf eine höhere Todesrate des Wirts, da dies für die Verbreitung hinderlich ist.

In der Regel passt sich ein neues Virus mit der Zeit an seinen Wirt an. Laut Drosten ist eine Möglichkeit, dass das Virus anfängt, mehr die Nasenschleimhaut zu befallen und weniger die Lunge. Dadurch würde aus der Lungenerkrankung im Laufe der Zeit eine Art Schnupfen. Der Erreger könnte also, wenn er sich an den Menschen anpasst, an Gefährlichkeit verlieren.

Die Todesrate sinkt

Erste Hinweise darauf, dass dies tatsächlich passieren könnte, gibt es bereits. So sinkt in einigen Ländern die Todesrate bei Covid-19-Patienten, etwa in den USA und in Deutschland. Das kann zum einen an dem sinkenden Durchschnittsalter der Patienten liegen. Dieses ist laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) nach einem Anstieg von zunächst 42 auf 52 Jahren im April mittlerweile auf 32 Jahre abgesunken. Gleichzeitig sank der Anteil der Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten von 22 Prozent im April auf inzwischen 6 Prozent. Die Sterberate der Covid-19-Patienten ging im selben Zeitraum von 7 auf 0,1 Prozent zurück. Bei jungen Menschen verläuft die Coronainfektion in der Regel milder.

Zum anderen könnten neben dem jungen Alter der Patienten die milderen Verläufe auch auf abgeschwächten Virusvarianten beruhen. Die müssten aber noch gefunden werden. Stärker als die Δ382-Variante hat sich eine andere mutierte Variante durchgesetzt: D614G ist inzwischen weltweit der dominierende Stamm von SARS-CoV-2. Ob er aber infektiöser ist als andere Stämme und wie er die Schwere der Erkrankung beeinflusst, muss noch untersucht werden.

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