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Krebstherapie

Methadon erneut unwirksam in Zellkultur

Die Behandlung von Glioblastom-Zellen mit Methadon verstärkt in vitro nicht die Wirkung konventioneller Krebstherapien. Auch eine direkte Wirkung auf die Krebszellen ist bei normalen Dosierungen des Opioids nicht vorhanden, berichtet ein Leipziger Forscherteam.
Annette Mende
02.04.2019
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Mit der jetzt im Fachjournal »Cancer Chemotherapy and Pharmacology« erschienenen Studie reagierte die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Frank Gaunitz laut einer Mitteilung der Universität Leipzig auf die öffentliche Debatte und den möglichen Effekt von Methadon in der Krebstherapie. Diese war in Gang gekommen, nachdem die Ulmer Forscherin Dr. Claudia Friesen 2014 postuliert hatte, dass Methadon in Glioblastom-Zellen die Wirkung des Zytostatikums Doxorubicin verstärkt. Bereits damals warnten Fachgesellschaften jedoch vor Euphorie, da klinische Daten noch fehlen. Diese Warnung wurde seitdem vor dem Hintergrund negativer Studienergebnisse immer wieder erneuert.

Auch die Autoren der aktuellen Publikation um Dr. Henry Oppermann und Dr. Martina Matusova sprechen sich gegen die Anwendung von Methadon bei Patienten mit Glioblastom aus, da sich aus ihren In-vitro-Daten kein Hinweis auf eine Wirksamkeit ableiten lasse. Die Gruppe verwendete Zellkulturen von sechs Glioblastom-Patienten. »Wir haben erstmals neben den Tumorzellkulturen auch Kulturen gesunder Zellen der Patienten angelegt, um die Wirkung von Methadon auf beide Zelltypen zu vergleichen«, erklärt Gaunitz.

Die Tumorzellen wurden mit der Standardtherapie bei Glioblastom behandelt: Bestrahlung und Chemotherapie mit dem Alkylans Temozolomid. Zusätzlich konfrontierten die Forscher die Krebszellen mit Methadon in unterschiedlichen Konzentrationen, was die Wirksamkeit der Standardtherapie jedoch nicht erhöhte. Auf die Behandlung ausschließlich mit Methadon reagierten die gesunden Zellen der Patienten deutlich empfindlicher als die Tumorzellen. Methadon wirkte erst in Konzentrationen toxisch auf die Tumorzellen, die auch für die gesunden Zellen tödlich waren. »Zudem konnten wir die Arbeiten von anderen Forschergruppen bestätigen, dass manche Tumorzellen bei niedrigen Methadon-Konzentrationen sogar schneller wachsen«, ergänzt Gaunitz.

Trotz dieser neuen negativen Daten wird das Interesse der Patienten an Methadon in der Krebstherapie vermutlich nicht so schnell abnehmen. Erst im vergangenen Sommer erreichte eine Online-Petition das erforderliche Quorum, die den Deutschen Bundestag dazu auffordert, Forschungsgelder aus öffentlicher Hand gezielt für klinische Studien zum Einsatz von Methadon in der Onkologie bereitzustellen. Ärzte und Apotheker raten dazu, Patienten, die Methadon anwenden wollen, sorgfältig zu begleiten.

 

DOI: 10.1007/s00280-019-03816-3

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