| Johanna Hauser |
| 19.05.2026 16:20 Uhr |
Eine Colitis ulcerosa ist durch Entzündungen der Schleimhaut des Dickdarms gekennzeichnet, die schubweise verläuft. / © Getty Images/selvanegra
Die S3-Leitlinie »Colitis ulcerosa« empfiehlt Mesalazin als Erstlinientherapie bei leichten bis mittelschweren Verläufen von Colitis ulcerosa. Die Leitlinie empfiehlt, die Medikation – in angepasster Dosierung – auch in Remission beizubehalten. Andernfalls steigt das Risiko für ein Wiederaufflammen der Entzündung deutlich, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.
Um herauszufinden, wie sich der Krankheitsverlauf entwickelt, wenn Mesalazin abgesetzt wird, durchsuchte eine Forschungsgruppe um Dr. Arteen Arzivian von der Macquarie University in Sydney, Australien, fünf Datenbanken nach passenden Studien, wovon 29 Publikationen die Einschlusskriterien erfüllten und in eine Meta-Analyse mit systematischem Review einflossen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift »Inflammatory Bowel Diseases« veröffentlicht.
Das Absetzen der oralen Mesalazin-Monotherapie war bei Patienten mit Colitis ulcerosa mit einem um 60 Prozent erhöhten Rückfallrisiko verbunden (relatives Risiko (RR): 1,60). Der Abbruch einer rektalen Mesalazin-Therapie erhöhte das Risiko etwa um das Doppelte (RR: 2,03). Im Gegensatz dazu war der Abbruch einer Mesalazin-Therapie bei Patienten, die Immunmodulatoren und/oder Biologika erhielten, nicht mit einem erhöhten Rückfallrisiko verbunden.
Die Sensitivitätsanalyse wirkt zunächst widersprüchlich: Patienten in klinischer Remission hatten nach Absetzen von Mesalazin ein geringeres Rückfallrisiko (RR: 1,20) als solche in endoskopischer (RR 1,84) oder histologischer Remission (RR: 2,40).
Die Remissionsarten unterscheiden sich jedoch in ihrer Tiefe: Klinische Remission bedeutet Symptomfreiheit, während endoskopische und histologische Remission eine zunehmend vollständige Abheilung der Darmschleimhaut beschreiben, die endoskopisch beziehungsweise mikroskopisch nachweisbar ist.
Das scheinbare Paradoxon der höheren Rückfallraten bei tieferer Remission lässt sich wahrscheinlich durch Unterschiede in der zugrunde liegenden Krankheitscharakteristik erklären. Patienten, die eine endoskopische oder histologische Remission erfahren, weisen häufig schwerere Krankheitsverläufe auf und werden entsprechend intensiver behandelt. Erreichen diese Patienten eine tiefe Remission, ist dies eher auf eine effektive Therapie zurückzuführen als auf eine weniger rezidivanfällige Erkrankung. Trotz Remission bleibt in dieser Patientengruppe offenbar eine erhöhte Rezidivneigung bestehen, die sich insbesondere nach Absetzen der Therapie zeigt.
Die Ergebnisse unterstützen somit die leitliniengerechte Empfehlung, eine Mesalazin-Therapie zur Remissionserhaltung auch langfristig fortzuführen und ein Absetzen individuell sorgfältig abzuwägen.