| Jennifer Evans |
| 23.10.2026 07:00 Uhr |
Die menschliche Sprache ist nicht einzigartig. Insbesondere ähnelt sie der von afrikanischen Seebären. / © Shutterstock/Goldilock Project
Rhythmus ist ein grundlegender Bestandteil jeder Kommunikation unter Lebewesen. Er organisiert die zeitliche Struktur von Ereignissen, verbessert die kognitive Verarbeitung und ermöglicht Vorhersagen über bevorstehende Sprachsignale. Der Sprechrhythmus von Menschen ist jedoch weniger einzigartig als angenommen.
Um herauszufinden, ob die menschliche Sprache einem eigenen Takt folgt, haben Forschende aus Deutschland und Frankreich Sprachaufnahmen von 48 Sprachen von allen Kontinenten mit den Rhythmusdaten verschiedener Tierarten verglichen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift »Annals of the New York Academy of Sciences« veröffentlicht.
Dazu analysierten sie sogenannte Inter-Onset-Intervalle aus der Tierkommunikationsforschung. Das sind zusammenhängende Sprachabschnitte samt anschließender Pausen. Als Grundlage dienten mehr als 100.000 Intervalle aus dem Language Documentation Reference Corpus (DoReCo) sowie Lautäußerungen verschiedener Tierarten.
Wie sich herausstellte, gruppierte sich die Intervalldauer um einen Medianwert von zwei Sekunden – und zwar unabhängig von Sprachfamilie oder individuellen Merkmalen der Sprechenden. Beim Vergleich mit der Tierkommunikation zeigte sich, dass sich der menschliche Sprechrhythmus in einem Bereich bewegt, der auch bei Arten wie Kap-Seebären, Meerraben oder Feldlerchen zu finden ist. Auch was die rhythmische Variabilität und die Taktpräzision angeht, reiht sich unsere Sprache zwischen der Kommunikation anderer Tierarten ein.
Als Grund dafür vermuten die Forschenden biologische Faktoren. Der Atemrhythmus setzt der Länge zusammenhängender Sprachabschnitte Grenzen und auch die Kapazitäten des Arbeitsgedächtnisses könnten eine Rolle spielen.
Die Studie legt dem Autorenteam zufolge nahe, dass die zeitliche Organisation menschlicher Kommunikation auf Mechanismen zurückgehen könnte, die wir mit anderen Tierarten teilen. Tatsächliche Unterschiede zwischen Sprachen zeigen sich demnach eher auf Ebene von Wörtern und Silben – nicht aber im Sprechrhythmus.