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Medizinischer Dienst
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Mehr Transparenz bei Behandlungsfehlern gefordert

Auch bei medizinischen Eingriffen kommen Pannen vor – und die Folgen können gravierend sein. Besonderes Augenmerk liegt auf Fehlern, die eigentlich nicht vorkommen sollten. Die Dunkelziffer ist hoch.
AutorKontaktdpa
Datum 20.08.2026  17:00 Uhr

Bis zu 700.000 Schadensfälle pro Jahr

»Viele vermeidbare Schäden werden nicht erkannt, nicht gemeldet und nicht untersucht«, erläuterte er. Die Dunkelziffer sei hoch und sie dürfe nicht länger kleingeredet werden. Behandlungsfehler würden in Deutschland nicht zentral erfasst, deshalb sei die genaue Zahl geschädigter Patienten unbekannt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen auf Basis von Krankenakten komme es aber allein bei 2 bis 4 Prozent der Klinikbehandlungen zu vermeidbaren Schäden. Das entspreche etwa 350.000 bis 700.000 Fällen im Jahr.

Diese Größenordnung müsse endlich auch Ausgangspunkt politischer Schritte sein, machte Gronemeyer deutlich. Auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) forderten, das Thema nach zahlreichen Sonntagsreden und Beteuerungen anzupacken. Die Chefin des Bundesverbands, Carola Reimann, sagte, die Stärkung der Patientenrechte gehöre auf die »To-Do-Liste« des neuen Gesundheitsministers Carsten Linnemann (CDU). Heute würden Patienten in der Regel nur dann über einen Fehler informiert, wenn sie gezielt danach fragen. Anhaltspunkte dafür seien für Laien aber meist nicht zu erkennen.

Pflicht zur Information von Patienten

Der Medizinische Dienst forderte daher eine gesetzliche Informationspflicht in solchen Fällen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, verlangte ein zentrales Register für Behandlungsfehler im ambulanten und stationären Bereich.

»Ebenso ist die Einrichtung eines Härtefallfonds für Geschädigte überfällig«, sagte er der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Der Sozialverband Deutschland forderte »fairere Beweisregeln« für Betroffene.

Um Ansprüche geltend zu machen, müssen Patienten einen Fehler und einen Schaden beweisen – und dazu noch, dass der Fehler die Ursache war. Die AOK fordert bereits seit längerem, dass es künftig reichen sollte, dass eine überwiegende Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent dafür besteht.

Milliardenkosten vermeidbar

Der Medizinische Dienst mahnte Verbesserungen auch angesichts der Debatte um Milliardenausgaben für die Gesundheitsversorgung an. »Wir diskutieren intensiv über Beitragssätze, Finanzierungslücken und Einsparpotenziale«, sagte Vorstandschef Gronemeyer. Nicht alles lasse sich abwenden. »Aber jeder vermeidbare Schaden, den wir verhindern, bedeutet weniger Leid und vermeidet zugleich unnötige Folgekosten.«

Mehr Patientensicherheit sei deshalb auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens.

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