Nach wissenschaftlichen Untersuchungen auf Basis von Krankenakten komme es allein bei 2 bis 4 Prozent der Klinikbehandlungen zu vermeidbaren Schäden. / © Getty Images/Halfpoint Images
Ein 17-Jähriger, bei dem bei einer Handoperation eine von zwei Verletzungen vergessen wird. Eine 63-Jährige, die ein Medikament wegen einer unklaren Dosierungsangabe längere Zeit unbemerkt täglich nimmt statt einmal die Woche: Wegen vermuteter Fehler bei Behandlungen haben Experten im Auftrag der Krankenkassen im vergangenen Jahr rund 11.700 Verdachtsmeldungen begutachtet – in jedem vierten Fall bestätigten sich Schäden. Angesichts einer hohen Dunkelziffer fordern Experten mehr Transparenz und Sicherheitsnetze.
In 2700 Fällen waren Fehler nun auch ursächlich für erlittene Schäden, wie der Medizinische Dienst Bund bei der Vorstellung seiner Statistik für 2025 mitteilte. In 97 Fällen führten sie zum Tod von Patienten oder trugen wesentlich dazu bei. Die Expertenorganisation stufte dabei 150 Fälle als gravierende Vorfälle ein, die mit Vorkehrungen zur Patientensicherheit wie Checklisten eigentlich nicht vorkommen sollten – dies waren etwas mehr als im Jahr zuvor mit 134.
Bei solchen »Never Events« geht es etwa um Tupfer, die nach Operationen im Körper zurückbleiben, und Verwechslungen von Körperteilen oder Patienten. Der Medizinische Dienst forderte ein verpflichtendes, pseudonymisiertes und für Ärzte sanktionsfreies Meldesystem für solche gut vermeidbaren Fälle.
Sie seien glücklicherweise selten, aber für die Sicherheit besonders bedeutend, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Gronemeyer. »Die entscheidende Frage ist dabei nicht: Wer ist schuld? Sondern: Wie konnte das passieren?« Klares Ziel sei, aus Fehlern zu lernen und deren Wiederholung zu verhindern.
Wenn Versicherte Behandlungsfehler vermuten, können sie sich bei den Kassen oder bei Sachverständigen und Schlichtern der Ärzteschaft melden, die dann medizinische und juristische Gutachten in Auftrag geben. Insgesamt gibt es pro Jahr 18 Millionen Klinikbehandlungen und eine Milliarde Arztkontakte in Praxen. Eine direkte Gegenüberstellung damit wäre aber irreführend, sagte Gronemeyer.