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Westfalen-Lippe

Mehr Studienplätze sichern Arzneimittelversorgung

In welchen Regionen wird es eng?

Das IAT teilt die Kreise Westfalen-Lippe in drei Cluster ein, um Versorgungsmangel und Handlungsbedarf genauer zu definieren. Cluster I umfasst Kreise und kreisfreie Städte im Ruhrgebiet, in denen es in den vergangenen Jahren einen sehr hohen Rückgang bei den Apotheken gab. Dazu zählen die kreisfreien Städte Hamm, Hagen, Bochum, Herne, Gelsenkirchen und Bottrop sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis. Dort war allerdings die Apothekendichte zuvor hoch. Hier würden die DDD moderat ansteigen, daher rechnet IAT nicht mit einem akuten Versorgungsmangel, wohl aber müsse der jetzige Apothekenbestand gesichert werden. 

Cluster II umfasst die Kreise, in denen eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Apothekeninhabern in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand geht. Zudem werde die DDD in diesen Regionen mittelfristig deutlich steigen. »Hier müssen vor allem Nachfolgeregelungen für die Apotheken getroffen werden«, riet Enste. Betroffen sind die Kreise Warendorf, Märkischer Kreis, Hochsauerlandkreis, Siegen-Wittgenstein, Höxter, Lippe, Herford, Minden-Lübbecke und die kreisfreie Stadt Bielefeld.

Richtig kritisch wird es in Cluster III. Zwar ist hier bislang ein eher moderater Rückgang der Apotheken zu verzeichnen, doch steige der DDD-Bedarf bereits in naher Zukunft deutlich an. »Hier könnten  Versorgungsengpässe entstehen«, warnte der Sozialwissenschaftler. Das Cluster umfasst die Kreise Gütersloh, Paderborn, Soest, Olpe, Unna, Recklinghausen, Coesfeld, Borken, Steinfurt sowie die kreisfreien Städte Dortmund und Münster.

Mehr Studienplätze in Münster und neues Institut in Bielefeld

Allein um das aktuelle Versorgungsniveau zu halten, brauche es jetzt schon 500 mehr Apotheker in Westfalen-Lippe. Um die aus Altersgründen ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen, würden bis zum Jahr 2040 sogar 3600 neue Pharmazeuten gebraucht. »Dieser Bedarf ist mit nur einem Studienstandort in der Region wie derzeit nicht zu decken«, betont Enste, zumal bundesweit über Nachwuchsmangel geklagt wird, sodass Nachwuchskräfte aus anderen Regionen kaum zu bekommen sind.

Die Experten empfehlen, zum einen die Kapazitäten an der Universität Münster auszubauen. Bislang schließen dort jährlich rund 100 Pharmazeuten ihr Studium ab. Dort sei noch Luft nach oben. Hier sei man bereits in Gesprächen und die Universität sei prinzipiell für die Erweiterung offen, erklärt der AVWL-Vorsitzende Dr. Klaus Michels auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung. 

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