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Lieferengpässe im Norden

»Mehr Flexibilität, weniger Regulierung«

Apotheker und Ärzte in Schleswig-Holstein machen gemeinsam Druck: Mit Blick auf die Lieferengpass-Problematik fordern sie, den Mehraufwand bei Nichtverfügbarkeit eines Rabattarzneimittels einzudämmen.
Christina Müller
12.12.2019  13:02 Uhr

Im Norden der Republik protestieren Ärzte und Apotheker gegen den bürokratischen Aufwand, den Rabattverträge in Zeiten sich zuspitzender Lieferschwierigkeiten verursachen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein und der örtliche Apothekerverband haben jetzt genug: Sie fordern pragmatische Lösungen – dem stünden jedoch zahlreiche regulatorische Anforderungen entgegen. »Das Motto kann jetzt aber nur lauten: mehr Flexibilität, weniger Regulierung«, betonen KV und Verband in einer gemeinsamen Mitteilung.

Die Partner weisen darauf hin, dass Ärzte und Apotheker zunehmend belastet seien, wenn sie versuchten, die Folgen von Lieferengpässen für die Patienten abzufedern. »Unsere Apotheken im Land müssen ständig prüfen, welche Medikamente überhaupt noch vorhanden und welche Alternativen erhältlich sind«, beklagt Verbandschef Peter Froese. »Statt im Verkaufsraum müssen Apotheker ihre Zeit immer öfter am Telefon verbringen.« Den Ärzten wiederum bleibe weniger Zeit für ihre Patienten.

Hinzu komme die steigende Gefahr für die Offizinen, von den Krankenkassen retaxiert zu werden, wenn sie sich aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht an die Rabattverträge halten können. Der Gesetzgeber müsse jetzt dafür sorgen, dass die Offizinen nicht auf den Kosten sitzenbleiben, wenn sie wegen der Defekte von der Regelversorgung abweichen. »Mindestziel muss sein, dass die Apotheken die Vorgaben der Rabattverträge bei Lieferengpässen nicht mehr erfüllen müssen«, fordert Froese.

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