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Arzneimittelversorgung

Mehr als 4000 Apotheken in der Ukraine mussten schließen

Die Apothekerkammer All Ukrainian Pharmaceutical Chamber (AUPC) beschreibt die unmenschlichen Zustände in der Ukraine und fordert den Austritt Russlands aus der International Pharmaceutical Federation (FIP). Inzwischen ist die Anzahl der ukrainischen Apotheken von 20.800 auf 16.700 gesunken.
Melanie Höhn
04.04.2022  18:00 Uhr
Mehr als 4000 Apotheken in der Ukraine mussten schließen

Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine läuft nun seit knapp sechs Wochen. In vielen Städten ist die Lage prekär – auch die ambulante Gesundheitsversorgung bricht vielerorts zusammen. Oleg Klimov, Vorstandsvorsitzender der ukrainischen Apothekerkammer AUPC, macht in einem schriftlichen Statement gegenüber der PZ erneut auf die dramatischen Zustände aufmerksam. Bereits Anfang März hatte er sich mit einem dramatischen Appell an die internationale Apothekerschaft gewandt.

Für einen Apotheker, der bisher in Frieden seine beruflichen Pflichten erfüllt und sein Leben seinem liebsten Beruf gewidmet habe, sei das, was gerade in der Ukraine passiere, »ein Horror, der schwierig zu beschreiben ist«. Die Situation sei ein »Alptraum, in dem man die Geschehnisse nicht beeinflussen kann«. Viele Apotheker müssten in den unter Beschuss stehenden Städten ihr Leben riskieren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen und schließen deshalb die Offizinen, berichtet er. Oftmals gebe es nicht mehr ausreichend Personal, um die Apotheken öffnen zu können. Eine große Anzahl ukrainischer Apotheken musste schließen, von 20.800 sind nur noch 16.700 am Netz. Weiterhin spricht die AUPC von einem dramatischen Mangel an lebenswichtigen Arzneimitteln, der sofort nach Kriegsbeginn einsetzte. »Kummer und unglaubliche Angst in den Augen von Müttern, die ihre ängstlichen Kinder umarmen« seien die harte Realität, sagt Klimov.

Ununterbrochener Strom notwendiger Medikamente

Inzwischen hat die AUPC mit Unterstützung der FIP und Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU) laut Klimov die »größte professionelle pharmazeutische Wohltätigkeitsbewegung dieses Jahrhunderts« ins Leben gerufen, um der Ukraine mit humanitärer Hilfe – in Form Medikamenten und medizinischen Geräten – beizustehen. Dies sei in erster Linie der Verdienst aller professionellen pharmazeutischen öffentlichen Verbände, die durch umfassende Information der Bevölkerung ihrer Länder einen ununterbrochenen Strom notwendiger Medikamente in die Ukraine geschaffen haben, sagt Klimov und ergänzt: »Im Namen der Ukrainer sprechen wir Ihnen unsere Dankbarkeit und eine tiefe Verbeugung für Ihre kostenlose Hilfe aus«. Um Medikamente, medizinische Geräte und Gelder von Sponsoren, Spendern und normalen Bürgern sinnvoll zu verwenden und spezifische und gezielte Empfänger humanitärer Hilfe zu identifizieren, hat die AUPC die Wohltätigkeitsorganisation mit dem Namen »All-Ukrainian Pharmaceutical Chamber - United European family« registriert. Sie ist in Übereinstimmung mit der europäischen Gesetzgebung in der Tschechischen Republik registriert.

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