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Forschung

Mehr als 30 neue Medikamente für 2020 erwartet

Die meisten der potenziellen Neuzugänge im Arzneimittelmarkt werden vermutlich nur Krankenhausapotheker sehen, denn unter den Neulingen sind vor allem Reserveantibiotika und Krebsmittel. Aber auch in den öffentlichen Apotheken könnten demnächst neue erklärungsbedürftige Arzneimittel über den HV-Tisch gehen.
Daniela Hüttemann
27.12.2019  11:46 Uhr

2019 war kein besonders starker Jahrgang, was neu in den Verkehr gebrachte Medikamente anging. In den Vorjahren waren es meist 30 oder mehr Neuzugänge, 2019 waren es weniger. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) hofft, 2020 wieder mehr als 30 Neuheiten zu launchen. Basis dieser Schätzung sind die kürzlich zugelassenen oder die zur Zulassung beantragten Kandidaten der vfa-Mitgliedsunternehmen.

»Für 2020 sind insbesondere weitere neue Medikamente gegen verschiedene Krebsarten, aber auch mehrere neue Antibiotika zu erwarten«, kündigte  vfa-Präsident Han Steutel heute in einer Pressemitteilung an. Aber auch für Patienten mit vielen anderen Krankheiten werde es neue Behandlungsmöglichkeiten geben. So hätten drei neue Antibiotika bereits die EU-Zulassung erhalten: das Tetracylin Eravacyclin, eine Kombination von Meropenem mit dem neuen Betalactamase-Inhibitor Vaborbactam sowie das erst Mitte Dezember zugelassene Fluorchinolon Delafloxacin. Für vier weitere Antibiotika sei die Zulassung beantragt: Eine Dreierkombi aus Imipenem, dem Booster Cilastatin sowie dem neuen Betalactamase-Inhibitor Relebactam hat im Dezember 2019 die Zulassungsempfehlung erhalten; das Aminoglykosid Plazomicin, das Cephalosporin Cefiderocol und das Pleuromutilin Lefamulin werden derzeit bewertet. Hinzu kommt noch der Antikörper Obiltoxaximab gegen Milzbrand, der in den USA bereits seit 2016 zugelassen ist.

Zahlreiche weitere Substanzen aus bereits bekannten Wirkstoffklassen sowie mit neuen Targets, teils niedermolekular, teils mit Peptid- oder Proteinstruktur, befinden sich in der klinischen Entwicklung. Mit diesen Medikamenten könnten Pharma-Unternehmen dazu beitragen, einige Resistenzen zu überwinden und Schwerkranke zu heilen, hofft Steutel. »Gegen andere resistente Keime werden aber noch neue Lösungen benötigt. Diese zu entwickeln, und die Finanzierbarkeit dieser Entwicklungen zu sichern, wird eine der großen Aufgaben von Industrie und Politik für die nächsten Jahre sein.«

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