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WHO und CDC

Mehr als 200.000 Maserntote im letzten Jahr

Jahrelang gab es auf der Erde große Fortschritte bei der Bekämpfung der Masern. Doch seit 2016 steigen die Fallzahlen wieder. Die Todeszahlen schnellen in die Höhe. Jetzt liegen die Zahlen für 2019 vor. Die Corona-Pandemie könnte Masern-Epidemien nach sich ziehen, weil Impfungen versäumt werden.
dpa
PZ
16.11.2020  08:00 Uhr

Rund 207.500 Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der US-Gesundheitsbehörde CDC im vergangenen Jahr an Masern gestorben. Die Zahl der Todesopfer stieg im Vergleich zu 2016 um 50 Prozent, wie es in dem Bericht von WHO und CDC heißt, der vergangene Woche in Genf veröffentlicht wurde. «Das waren Todesfälle, die man verhindern hätte können», sagte die WHO-Expertin Natasha Crowcroft. Besonders betroffen seien Länder in Afrika gewesen.

Insgesamt wurden im Vorjahr fast 870.000 Menschen, die sich mit dem hochansteckenden Virus infiziert hatten, registriert – so viele wie seit 1996 nicht mehr. Von 2010 bis 2016 hatte es dem Bericht zufolge hingegen noch gute Erfolge bei der Bekämpfung der Masern gegeben, sodass die Fallzahlen 2016 auf ein historisches Tief gesunken seien. Bei Masern können tödliche Komplikationen auftreten: Bis zur Einführung des ersten Impfstoffs 1963 starben laut WHO jährlich etwa 2,6 Millionen Menschen weltweit daran. Eigentlich wollte die WHO das Masernvirus sogar bis 2020 in zumindest fünf von sechs WHO-Regionen ausgerottet haben.

In mehreren Ländern erhielten jedoch laut Crowcroft zu wenige Kinder zeitgerecht die zwei Impfungen, die für die Immunisierung nötig sind. Zu großen Ausbrüchen kam es 2019 laut WHO in neun Ländern. Etwa in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, Georgien, Kasachstan oder auch der Ukraine.

Um Ausbrüche zu verhindern, müsse die Bevölkerung zu 95 Prozent durchgeimpft sein. Weltweit erhielten aber nach Angaben des Berichts nur etwa 85 Prozent die erste Impfung und nur rund 71 Prozent die zweite Impfung im richtigen Zeitfenster. Experten befürchten nun in Ländern mit schwacher Gesundheitsvorsorge durch die Coronavirus-Pandemie noch schlechtere Durchimpfungsraten. «Wenn wir nicht schnell handeln, werden diese Länder neue Ausbrüche und noch mehr Tote erleben», sagte Crowcroft.

Nach Schätzungen von WHO und CDC sind aktuell 94 Millionen Menschen in 26 Ländern gefährdet, ihre Masern-Impfungen zu verpassen. In Deutschland schwankte die Zahl der Masernfälle bislang stark. In den Jahren 2010 bis 2019 zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) zwischen 165 und 2465 Erkrankungen. Im vergangenen Jahr waren es 514 registrierte Fälle, in diesem Jahr bislang 75.

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