Die Zahl der Ebola-Infektionen in der Demokratischen Republik Kongo steigt weiter. Gesundheitsbehörden warnen vor einer Ausbreitung in schwer erreichbaren Regionen. / © Imago/Xinhua
Bereits am 17. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite in der Demokratischen Republik Kongo ausgerufen. Jetzt ist die Zahl der bestätigten Fälle auf mehr als 1000 gestiegen. Nach Angaben des Informationsministeriums in der Hauptstadt Kinshasa sind von den 1003 bestätigten Ebola-Erkrankten in drei nordöstlichen Provinzen des Landes insgesamt 254 gestorben.
Wie das Ministerium weiter mitteilte, gelten 100 Menschen als genesen. Derzeit werden 365 Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern und Isolierstationen behandelt, hieß es. Die Todesfallquote betrage aktuell rund 25 Prozent. Seit der Bekanntgabe des Ausbruchs waren zudem im Nachbarland Uganda 19 Menschen an Ebola erkrankt und zwei von ihnen an der hochgefährlichen Krankheit gestorben. Die Fälle standen im Zusammenhang mit dem Ausbruch in der DR Kongo.
Derzeit werden den Angaben zufolge 58 Prozent der Kontakte von bestätigten Fällen nachverfolgt. Um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen, ist es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nötig, 90 Prozent aller Menschen, die mit einer infizierten Person in Kontakt waren, zu ermitteln und zu beobachten. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC hatte sich bereits mehrfach besorgt über die hohe Zahl der nicht bekannten und nachverfolgten Kontakte geäußert.
In der Provinz Ituri, wo das Zentrum des Ausbruchs liegt, ist die vorhandene medizinische Infrastruktur wie in vielen Landesteilen schon unter normalen Umständen schwach. »Es gibt viel mehr Tote als sonst, das ist für alle spürbar. Die Teams, die die Verstorbenen sicher und würdig beerdigen sollen, sind überlastet. Es dauert zum Teil mehrere Tage, bis die Leichname beerdigt werden«, berichtet der Arzt Joseph Kasanda. Er ist für die Hilfsorganisation action medeor vor Ort. Gerade war er in Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri, die das Zentrum der Epidemie bildet, um dort Lagermöglichkeiten für Hilfsgüter zu organisieren.
Action medeor hat eigenen Angaben zufolge bereits Schutzanzüge, Masken und Handschuhe, Sprühgeräte und Desinfektionsmittel, kontaktlose Stirn-Fieberthermometer und Handwasch-Stationen geliefert. Dank einer Spende des BMW-Großaktionärs Stefan Quandt in Höhe von einer halben Million Euro bereitet sie weitere Hilfsmaßnahmen vor.
Kasanda berichtet, dass das Gesundheitspersonal besonders hohen Infektionsgefahren ausgesetzt ist. Aktuell seien etwa 60 Mitarbeitende des Gesundheitswesens erkrankt, zuletzt sei ein Arzt gestorben. Auch die WHO meldete in der vergangenen Woche, dass sich 75 Pflegekräfte mit dem gefährlichen Virus infiziert hätten, von denen 17 gestorben seien. Demnach hatten von den 177 untersuchten Kliniken nur vier die Kapazität und das Material, um alle Mitarbeiter richtig zu schützen.
Zusätzliche Herausforderung für Helfer ist die Unsicherheit in vielen Regionen im Osten des Landes, in denen zahlreiche bewaffnete Gruppen aktiv sind. Die Rebellengruppe M23 kontrolliert derzeit große Teile der beiden ebenfalls von Ebola betroffenen Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu, einschließlich der Provinzhauptstädte Goma und Bukavu.
Aufgrund der andauernden Konflikte gibt es im Ostkongo nach UN-Angaben bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge. Diese leben oft unter sehr beengten Verhältnissen in provisorischen Lagern, mit wenig Hygienevorkehrungen und mangelnder Gesundheitsversorgung. Ein Ebola-Ausbruch in einem der Flüchtlingslager wäre nach Angaben von Experten fatal.
Ebola-Fieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, auch weil es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt – eine Breitband-Impfstoff ist dennoch in der Entwicklung. Außerdem hatte Ende Mai eine von der WHO benannte Expertengruppe Empfehlungen erarbeitet, welche experimentellen Impfstoffe und Medikamente im Kampf gegen Ebola derzeit eingesetzt werden können.