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Beobachtungsstudie
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Medikationsanalysen auf dem Weg in den Apothekenalltag

Strukturierte Medikationsanalysen in Apotheken zum Erkennen und Lösen arzneimittelbezogener Probleme (ABP) leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Dies zeigen auch Ergebnisse der Beobachtungsstudie zum Ausbildungsapothekenkonzept der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.
AutorKontaktVerena Kurth
AutorKontaktCarolin Keip
AutorKontaktLaurette Reisdoerfer
AutorKontaktIsabel Waltering
AutorKontaktOliver Schwalbe
AutorKontaktRonja Woltersdorf
AutorKontaktGeorg Hempel und Ulrich Jaehde
Datum 21.05.2021  12:00 Uhr

323 Medikationsanalysen aus 87 Apotheken evaluiert

In die Analyse einbezogen wurden 323 Medikationsanalysen für AOK-Nordwest-Versicherte, die zwischen Oktober 2016 und November 2017 von AMTS-Managern aus 87 Apotheken durchgeführt wurden. Die Patienten waren im Mittel 72 (28 bis 97) Jahre alt. 75,2 Prozent der Patienten waren über 65, der Frauenanteil lag bei 60,7 Prozent. Für 227 Patienten konnte nach drei Monaten eine Nacherhebung (»Follow-up«) durchgeführt werden, um die Umsetzung der dokumentierten Empfehlungen sowie Veränderungen berichteter Symptome zu überprüfen.

Bei rund 98 Prozent der Patienten wurde mindestens ein ABP dokumentiert. Mit insgesamt 2275 ABP entsprach dies im Mittel 7,0 ABP pro Patient und 0,6 ABP pro Arzneimittel, drei Viertel davon für Rx-Präparate. Am häufigsten wurden ABP der Kategorien »Interaktionen«, »Ungeeignete Dosierung« und »Nebenwirkungen« dokumentiert (Abbildung).

6 von 10 Apothekervorschlägen wurden umgesetzt

Die AMTS-Manager dokumentierten für 91,6 Prozent der ABP mindestens einen Handlungs- oder Informationsbedarf. Von den formulierten Empfehlungen wurden 41,9 Prozent direkt nach der Medikationsanalyse ganz oder teilweise umgesetzt, bei Patienten mit Follow-up (n = 227) waren es 45,6 Prozent. Hier konnte nach drei Monaten eine Umsetzungsrate von 61,6 Prozent erreicht werden. Besonders hoch war die direkte Umsetzung dort, wo Informationen durch die Apotheke unmittelbar an den Patienten gegeben werden können, wie in den Kategorien »Ungeeigneter Einnahmezeitpunkt« und »Anwendungsprobleme« (53,1 Prozent und 45,7 Prozent).

Ausgehend von einer mittleren Anzahl von 11,2 Arzneimitteln pro Patient entsprach die beobachtete Senkung der Arzneimittelanzahl einer durchschnittlichen Reduktion von einem Arzneimittel bei jedem zweiten Patienten, passend zu dem häufig dokumentierten Patientenwunsch »die Medikamente zu reduzieren«. Tatsächlich konnte bei 88 Patienten die Anzahl um ein bis acht Arzneimittel gesenkt werden, elf Patienten hatten nach der Analyse insgesamt ein bis zwei Arzneimittel mehr.

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