| Alexandra Amanatidou |
| 22.07.2026 14:45 Uhr |
»Das eigenmächtige Durchsetzen nationaler Interessen darf nicht zu Lasten von Patientinnen und Patienten gehen – weder in den USA noch in Europa«, sagt Bork Bretthauer, der Geschäftsführer des Pharmaverbands Pro Generika. / © Pro Generika
Mit der Androhung neuer Zölle will US-Präsident Donald Trump Arzneimittelhersteller dazu drängen, ihre Medikamente in den USA zu produzieren. Dies hat bereits teilweise Wirkung gezeigt: Viele Pharmaunternehmen haben Investitionen in den USA angekündigt und sogar Investitionen in Deutschland zurückgezogen.
Wie Trump auf der Plattform Truth Social ankündigte, sollen ab Sommer 2028 zunächst für ein Jahr Sonderabgaben in Höhe von 100 Prozent auf Generika fällig werden. Danach soll der Wert auf 200 Prozent steigen.
Ob diese tatsächlich umgesetzt werden und welche Länder diese betreffen werden, ist nicht bekannt. In einem wegweisenden Urteil hatte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Februar den Großteil von Trumps Zöllen gekippt. Seither setzt der Republikaner auf neue rechtliche Vehikel, die jedoch zeitlich befristet sind oder Ungleichgewichte im Handel voraussetzen. Außerdem haben die USA und die EU vor circa einem Jahr ein Handelsabkommen unterzeichnet, das einen Basiszollsatz in Höhe von 15 Prozent auf Arzneimittel vorsieht.
Auf dieses Abkommen, das seit Anfang des Monats in Kraft getreten ist, verweist auch der EU-Abgeordnete Bernd Lange (SPD). »Zusagen müssen eingehalten werden. Andernfalls verliert jede Vereinbarung ihre Grundlage und damit beispielsweise auch die Zollpräferenzen, die wir den USA seit Anfang Juli gewähren«, sagt er gegenüber der PZ.
»Bislang handelt es sich lediglich um eine Drohung«, sagt Lange. Der US-Präsident werfe derzeit mit alarmierender Häufigkeit Zolldrohungen über seine Social-Media-Plattform in den Raum, was äußerst bedauerlich sei und für neue Unsicherheit sorge. »Sollte aus der Drohung Realität werden, müsste die Europäische Union geschlossen und entschlossen reagieren«, so Lange.
Ähnlich sieht es auch der EU-Abgeordnete Oliver Schenk (CDU). »Wir müssen Europa als Pharmastandort konsequent stärken«, sagte er gegenüber der PZ. Die beste Antwort auf neue Handelskonflikte sei mehr Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem betonte er, dass Europa keinen Handelskrieg will – schon gar nicht bei lebenswichtigen Produkten wie Arzneimitteln.
»Medikamente sollten niemals in Handelskriegen zur Waffe werden«, sagt auch Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, auf Anfrage der PZ. Das eigenmächtige Durchsetzen nationaler Interessen dürfe nicht zu Lasten von Patientinnen und Patienten gehen – weder in den USA noch in Europa.
Sollten die angekündigten Zölle tatsächlich in Kraft treten, würden sie laut dem Pharmaverband vor allem den USA selbst schaden, da 90 Prozent der verschriebenen Medikamente in den USA Generika seien. Außerdem werde die Mehrheit der benötigten Wirkstoffe aus dem Ausland bezogen, vor allem aus Indien, Europa und China. Zölle von 100 oder gar 200 Prozent würden laut dem Verband ausländische Hersteller aus dem US-Markt drängen – und könnten die Versorgung weiter destabilisieren.
Für europäische und deutsche Generika-Hersteller, die in die USA exportieren, seien wirtschaftliche Folgen zu erwarten. Das genaue Ausmaß hänge davon ab, welche Unternehmen wie stark im US-Markt engagiert seien. Pro Generika kritisiert zudem die Übergangsfrist bis Sommer 2028. Sie gehe an der wirtschaftlichen Realität vorbei, da neuen Produktionswerke Investitionen in Milliardenhöhe und jahrelange Genehmigungsverfahren erfordern. Bei den ohnehin geringen Margen im Generika-Geschäft sei das keine realistische Perspektive.