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Bimagrumab plus Semaglutid
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Maximale Gewichtsabnahme ohne Muskelschwund

Kombiniert man einen Activin-Typ-II-Rezeptorblocker mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten, führt das zu einem starken Gewichtsverlust, der in erster Linie auf dem Abbau von Fett und weniger von Muskelmasse beruht. Das zeigen die Erbennisse einer Phase-II-Studie mit Bimagrumab und Semaglutid.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 06.03.2026  16:20 Uhr

Activin A und Myostatin sind Myokine, also Botenstoffe, die von Muskelzellen bei Bewegung freigesetzt werden und die ein übermäßiges Wachstum der Muskulatur unterbinden. Bimagrumab verhindert, dass Liganden wie Myostatin und Activin A an den Activin Typ II-Rezeptor (ActRII) binden. Dies wirkt anabol auf die Skelettmuskulatur und fördert gleichzeitig die Lipolyse und die Fettmobilisierung über ALK4/ALK7‑abhängige Signalwege.

Bimagrumab wurde ursprünglich von Novartis entwickelt, befindet sich mittlerweile aber im Portfolio von Versanis Bio, eines Tochterunternehmens von Eli Lilly. Nun erschienen im Fachjournal »Nature Medicine« Ergebnisse einer Phase-II-Studie, die das Potenzial des ActRII-Blockers als Kombinationspartner von Inkretinmimetika zur Gewichtsabnahme unterstreichen.

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Phase‑II‑Studie wurden 507 Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥30 kg/m² oder ≥27 kg/m² mit mindestens einer adipositasassoziierten Komplikation ohne Diabetes) randomisiert neun Behandlungsarmen zugeteilt. Die Teilnehmenden erhielten über 48 Wochen entweder Placebo, Bimagrumab 10 oder 30 mg pro kg Körpergewicht intravenös alle 12 Wochen, Semaglutid 1,0 oder 2,4 mg subkutan wöchentlich oder entsprechende Kombinationen. Danach wurde die Studie als offene Extensionsphase bis Woche 72 fortgesetzt. Randomisiert wurde geschlechtsstratifiziert, sodass in den einzelnen Armen Männer und Frauen möglichst gleichmäßig vertreten waren.

Als primärer Endpunkt wurde die absolute Veränderung des Körpergewichts nach 48 Wochen definiert. Ein wesentlicher sekundärer Endpunkt war die Gewichtsveränderung in Woche 72.

Die Autoren um Professor Dr. Steven B. Heymsfield von der Louisiana State University in Baton Rouge, USA, berichten, dass sich nach 48 Wochen eine klare Dosis‑ und Kombinationseffekt‑Hierarchie zeigte. Während die Probanden in der Placebo-Gruppe etwa 3,3 kg Gewicht verloren, sank unter einer Monotherapie mit Bimagrumab 30 mg/kg das Körpergewicht im Mittel um 9,3 kg und unter Semaglutid 2,4 mg um 14,2 kg. Bei einer Hochdosis‑Kombination aus Bimagrumab 30 mg/kg plus Semaglutid 2,4 mg wurde eine mittlere Gewichtsabnahme von 17,8 kg erreicht. Die Gewichtsreduktion nahm unter der Kombinationstherapie bis Woche 72 weiter zu, was auf eine anhaltende Wirksamkeit über den primären Studienzeitraum hinaus hindeutet.

Zentrale und periphere Wirkung kombiniert

Daten aus früheren Phase‑II‑Studien hatten bereits nahegelegt, dass Bimagrumab bei adipösen Patienten mit Typ‑2‑Diabetes einen deutlichen Verlust von Fettmasse und viszeralem Fett induziert, während die fettfreie Masse zunimmt. Dies war ein Hinweis darauf, dass es unter Bimagrumab zu einer möglichen Entkopplung von Fett‑ und Muskelverlust kommt.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten nun darauf hin, dass im Fall einer Kombination von Bimagrumab mit Semaglutid der GLP-1-Rezeptoragonist primär über zentrale Mechanismen die Energiehomöostase moduliert. Bimagrumab wirkt hingegen peripher und fördert die Muskeldifferenzierung und Muskelhypertrophie.

Das Sicherheitsprofil der Kombination entsprach im Wesentlichen den Nebenwirkungen der Einzelpräparate. Unter Bimagrumab traten gehäuft Muskelkrämpfe, Diarrhö und Akne auf, während Semaglutid erwartungsgemäß vor allem mit gastrointestinalen Symptomen wie Übelkeit, Diarrhö, Obstipation und Müdigkeit assoziiert war.

Insbesondere für Patienten mit einem Risiko für niedrige Muskelmasse könnte eine Therapie, die Fettverlust maximiert und Muskelmasse schont, klinisch bedeutsam sein, kommentiert Heymsfield in einer Pressemitteilung. Andererseits wird diese Kombinationstherapie im Vergleich zu einer Monotherapie mit einem GLP-1-Agonisten natürlich auch kostspieliger.

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