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Gute Studienergebnisse

Abnehmen mit einem Antikörper

Verlust von Fettmasse und Verbesserung der Insulinresistenz – der Antikörper Bimagrumab hat das in einer Phase-II-Studie bei Typ-2-Diabetikern geschafft. Interessant daran ist auch ein vollkommen neues Wirkprinzip.
Sven Siebenand
15.01.2021  09:00 Uhr

In »JAMA Network Open« berichtet ein Forscherteam von Novartis und dem Pennington Biomedical Research Center der Louisiana State University System in Baton Rouge über die Funktion des Activin Typ II-Rezeptors (ActRII) und dessen Blockade durch den noch nicht zugelassenen monoklonalen Antikörper Bimagrumab (BYM338). Der ActRII gehört zur Familie der TGF-β-Rezeptoren. Die Blockade des Rezeptors stimuliert das Wachstum der Skelettmuskulatur – aber nicht nur das. Schon frühere Daten deuteten darauf hin, dass sie offenbar auch den Verlust von Fettgewebe fördert und die Insulinresistenz verbessert.

In einer placebokontrollierten Studie wurde dies nun näher bei Typ-2-Diabetikern untersucht. 75 adipöse Typ-2-Diabetikern (durchschnittlicher BMI 32,9) erhielten über einen Zeitraum von 48 Wochen entweder alle vier Wochen eine intravenöse Infusion von Bimagrumab (10 mg/kg KG bis zu 1200 mg) oder eine Placebo-Infusion. Im primären Endpunkt wurde auf die Änderung der gesamten Körperfettmasse geschaut. Zu den sekundären Endpunkten zählten die Entwicklung des Körpergewichts, die Änderung des Taillenumfangs und der fettfreien Körpermasse sowie der HbA1c-Wert. In allen Punkten zeigten sich Vorteile in der Verumgruppe. Die gesamte Körperfettmasse sank unter Bimagrumab im Vergleich zum Ausgangswert um 20,5 Prozent (Placebo: -0,5 Prozent). Das Körpergewicht reduzierte sich in der Verumgruppe um knapp 6 kg (Placebo: -0,8 kg), der Taillenumfang reduzierte sich um 9 cm (Placebo: +0,5 cm) und die fettfreie Körpermasse stieg um 1,7 kg (Placebo: -0,4 kg). Auch auf die Blutzuckereinstellung hatte die Behandlung mit Bimagrumab einen positiven Einfluss: Während der HbA1c-Wert in der Placebogruppe nahezu unverändert blieb, ging er in der Verumgruppe um 0,76 Prozent herunter.

Große Unterschiede im Sicherheitsprofil bestanden bei den Studiengruppen nicht. Die Studienautoren weisen auf die vorübergehende Erhöhung von Leber- und Pankreasenzymen hin. In größeren Studien muss sich der Antikörper nun erst noch weiter beweisen, bevor über eine Marktzulassung nachgedacht werden kann. Dazu hat sich Novartis noch nicht geäußert.

Bimagrumab wurde vom schweizerischen Pharmaunternehmen Novartis entwickelt. Ursprünglich angedachte Indikation sind ein pathologischer Muskelverlust und Muskelschwäche. Ursprünglich wollte Novartis bereits 2016 in den USA eine Zulassung zur Behandlung von Patienten mit sporadischer Einschlusskörper-Myositis, einer seltenen entzündlichen Muskelerkrankung, beantragen. Jedoch wurden die gewünschten Ergebnisse in einer entsprechenden Phase-IIb/III-Studie nicht erreicht. 

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