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Corona-Krise

Maßnahmen am Gesundheitssystem und Risikopatienten orientieren

Bürger wie Politiker treibt die Frage um, wann die Lage in Deutschland sich wieder entspannt. Alle werden wohl noch etwas Geduld brauchen.
PZ/dpa
30.03.2020
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Die Dauer der Kontaktbeschränkungen zur Abwehr des Coronavirus richten sich nach den Worten von Kanzleramtsminister Helge Braun nach der Tragfähigkeit des Gesundheitssystems. Dieses dürfe nicht überfordert werden, erklärte der CDU-Politiker am Sonntagabend im ZDF. «Der essenziellste Maßstab ist wirklich, dass jeder, der bei uns so krank wird, dass er eine stationäre Behandlung braucht, die auch gut bekommt.» Auch die Bundeskanzlerin hatte am Samstag in einem Audiopodcast aus der häuslichen Quarantäne die Bürger um Geduld gebeten.

Der Bund werde mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch noch einmal beraten, erklärt der Kanzleramtschef. Ein wesentlicher Teil der Maßnahmen sei schon am 12. März in Kraft gesetzt worden und gelte in den Bundesländern zum Teil bis zum 20. April. Auf die Frage, ob die Maßnahmen darüber hinaus verlängert werden könnten, sagte er: «Das können wir noch nicht sagen.» Vor Beginn der Maßnahmen verdoppelte sich die Zahl der Infektionsfälle nach Brauns Angaben alle drei Tage, jetzt sind es ihm zufolge etwa sechs Tage. «Wir brauchen 10, 12 oder 14 Tage», sagte er. «Dann hätten wir erstmal den Punkt erreicht, dass unser Gesundheitssystem nicht überfordert wird.»

Generell gelte: «Wenn wir irgendwann über Lockerungen dieser Maßnahme reden, dann müssen wir natürlich das nicht ersatzlos tun. Sondern wir müssen uns dann überlegen: Was haben wir noch an zusätzlichen Möglichkeiten, um im öffentlichen Raum auch Infektionen zu verhindern.»

Maßnahmen mehr auf Risikogruppen fokussieren

Der Epidemiologe Professor Dr. Gérard Krause hat davor gewarnt, mit extremen Abwehrmaßnahmen der Gesellschaft insgesamt zu schaden. «Man muss aufpassen, dass man aus Ohnmacht vor dieser Situation nicht überschießende Handlungen vornimmt, die möglicherweise mehr Schaden anrichten können als die Infektion selbst», sagte der Abteilungsleiter Epidemiologie am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung dem ZDF.

«Wir wissen, dass zum Beispiel Arbeitslosigkeit Krankheit und sogar erhöhte Sterblichkeit erzeugt. Sie kann Menschen auch in den Suizid treiben. Einschränkung der Bewegungsfreiheit hat vermutlich auch weitere negative Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung», erklärte Krause. «Ich bin der Meinung, dass wir den Schwerpunkt unserer Aufmerksamkeit und auch unserer Ressourcen auf den Schutz des Risikogruppen richten sollten und dass wir versuchen sollten, möglichst schnell diese sehr generalisierten Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen zu lockern, so früh es geht. Wir sollten uns darauf einstellen, das frühzeitig und zugleich vorsichtig zu tun», sagte er.

Dennoch könne es Erkrankungen und Todesfälle auch bei jungen Menschen geben. «Es könnte auch hier in Deutschland eine Phase geben, in der möglicherweise nicht jeder beatmet werden kann, der beatmet werden müsste. Ich glaube nicht, dass die Maßnahmen, wie auch immer sie verschärft werden, in der Lage sind, das komplett zu verhindern. Wir müssen als Gesellschaft verstehen, dass es Naturereignisse gibt, die man nicht komplett ungeschehen machen kann.»

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