| Johanna Hauser |
| 19.08.2026 10:30 Uhr |
Würde zu Beginn eines Krankenhausaufenthalts auf Mangelernährung gescreent, könnte sich die Versorgung der betroffenen Patienten deutlich verbessern. / © Getty Images/ruizluquepaz
Eine Analyse bundesweiter Krankenversicherungsdaten aus den Jahren 2017 bis 2024, die aktuell im »Deutschen Ärzteblatt« erschien, zeigt eine erhebliche Versorgungslücke auf: Obwohl schätzungsweise 30 Prozent der Krankenhauspatienten mangelernährt sind, erhalten nur zwischen 1,16 und 1,3 Prozent der Betroffenen eine entsprechende Diagnose und Behandlung.
Dabei ist das Thema alles andere als trivial. Zahlreiche Erkrankungen können die Aufnahme von Nährstoffen und/oder Kalorien vermindern. Beispiele sind Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, Infektionskrankheiten oder Krebs. Besonders kritisch wird es, wenn die Patienten bereits vor der stationären Aufnahme einen niedrigen Body-Mass-Index (BMI) oder eine reduzierte Muskelmasse aufweisen oder ungewollt Gewicht verloren haben. Nach Kriterien der Global Leadership Initiative on Malnutrition (GLIM) rechtfertigen diese Faktoren die Diagnose Mangelernährung.
Für ihre Analyse verglichen die Forschenden um Dr. Monika Rau vom Universitätsklinikum Würzburg die Sterblichkeit, die Rehospitalisierungsraten und die durchschnittlich verursachten Gesundheitskosten von Menschen mit und ohne ICD-10-codierter Mangelernährung (Kontrollgruppe). Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Kontrollgruppe aufgrund der Dunkelziffer mangelernährte Patienten ohne entsprechende Diagnose enthält.
Menschen mit diagnostizierter Mangelernährung hatten eine etwa doppelt so hohe Sterblichkeit innerhalb von 90 Tagen im Vergleich zur Kontrollgruppe (18,2 Prozent versus 7,3 Prozent). Auch erneute Hospitalisierungen innerhalb von 90 Tagen waren bei diagnostizierter Mangelernährung häufiger (44,9 Prozent gegenüber 37,8 Prozent). Außerdem verursachten nachweislich mangelernährte Patienten durchschnittlich mehr als 4000 Euro zusätzliche Gesundheitskosten pro Person und Jahr.