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Lahmanns Sanatorium
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Mandelmilch nährt die Prominenz

Im »Weißen Hirsch« in Dresden traf sich einst die High Society. Die holistsichen Therapie- und Präventionsmethoden von Dr. Lahmann waren zwar in Mode – doch nicht unbedingt jedermanns Sache, wie Schriftstücke zeigen.
AutorHeiner Barz
Datum 10.09.2026  13:30 Uhr

Chemisches Labor

Außerdem gilt Lahmann in der Erfahrungsheilkunde bis heute als der erste, der das gesamte Spektrum der Wasser- und Lufttherapien, der Bekleidung und der Ernährung berücksichtigte und sich dabei systematisch empirischer Methoden bediente. Weil er seinen Ansatz naturwissenschaftlich untermauern wollte, richtete er 1895 ein eigenes chemisches Labor ein, in dem er die Wirkung der von ihm verordneten Diäten und Behandlungen auf Stoffwechselvorgänge untersuchen ließ.

Wo Sebastian Kneipp auf Wasseranwendungen, Maximilian Oskar Bircher-Benner auf Vollwertkost (»Birchermüsli«) und Hermann Hesse auf kleidungsfreie Gartenarbeit auf dem Schweizer Monte Verità setzte, konnten die Gäste im »Weißen Hirsch« das gesamte Spektrum der Komplementärmedizin in Anspruch nehmen.

Lahmanns Diätetik beschränkte sich dabei nicht nur auf sorgsam zusammengestellte Ernährungspläne, Wassertreten, Armgüsse sowie Licht- und Luftbäder, sondern er verordnete seinen Kurgästen auch ein durchgetaktetes Zeitmanagement – in der Naturheilkunde bis heute als Ordnungstherapie bekannt. Dass Industrielle, Fürsten, Armeeführer und Unterhaltungskünstler sich vom »Weißen Hirsch« angezogen fühlten, sagt zwar viel über die Mode der Gesellungsformen aus – nicht unbedingt aber über Therapieerfolge.

Nicht alle Gäste begeistert

Einzelne Einblicke finden sich in den Zeugnissen der berühmten Schriftsteller, die dort länger oder kürzer zu Gast waren – teilweise auch mehrfach. Der gelernte Apotheker Theodor Fontane war noch drei Monate vor seinem Tod vom 23. Mai bis zum 28. Juni 1898 mit Frau und Tochter in dem Dresdener Sanatorium und schwärmte später in einem Brief von der »herrlichen Luft«; er habe sich »über Erwarten erholt«. Er verschwieg auch nicht die weniger ersprießlichen Erfahrungen: »Wir frieren Stein und Bein und werden erst warm, wenn wir bald nach 9 unter das Deckbett kriechen.«

Thomas Mann kam 1906 auf Einladung seines Verlegers Samuel Fischer. Die Kur schien ihm jedoch weniger gutgetan zu haben. Er verordnete sich anschließend erst einmal einen Erholungsurlaub in Oberammergau. Nach zwei Wochen im Sanatorium schrieb er am 7. Juni 1906 seinem Bruder Heinrich Mann: »Die ersten Tage nach meiner Rückkehr vom Weissen Hirsch (und Berlin) war ich todmüde und schlief den halben Tag. [...] Dann bereitete sich ein Magen-Anfall vor, der gestern, pünktlich an meinem Geburtstage, seinen Ausbruch und Höhepunkt erreichte. Ungefähr eine Woche lang gehe ich in solchen Fällen in tiefer Verdüsterung, geistiger Oede und neurasthenischer Menschenscheu umher, unfähig auch nur zu lesen und unwissend, was aus mir werden soll. [...] Mir geht es miserabel. Die Wirkung vom Weissen Hirsch ist eher negativ.«

Von Franz Kafka weiß man nur, dass er um den 23. August 1903 seine Sommerfrische bei Salesl, nahe Aussig im nördlichen Böhmen – etwa 60 Kilometer von Dresden entfernt – für ein paar Tage unterbrach, um zu Lahmann zu reisen. Er wohnte in der Villa Ebert, heute Wolfshügelstraße 4.

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