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Unterschätzte Sturzgefahr
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Management der orthostatischen Hypotonie

Bei einer Hypotonie winken Experten oft ab. Im Gegensatz zur Hypertonie sind langfristige Risiken überschaubar. Betroffene sehen das anders, vor allem dann, wenn diese an orthostatischer Hypotonie leiden. Schwindel, Sehstörungen, Schwäche beim Aufstehen ist für viele ältere Patienten kein flüchtiges Phänomen, sondern Alltag.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 13.04.2026  16:20 Uhr
Therapie: Stufenweise und symptomorientiert

Therapie: Stufenweise und symptomorientiert

Das erklärte Ziel der Behandlung ist nicht die Normalisierung der Blutdruckdifferenz, sondern Symptomfreiheit und Sturzprävention.

An erster Stelle steht die Medikamentenrevision. Oft lässt sich allein durch Absetzen oder Dosisreduktion bestimmter Medikamente die OH beheben. Danach folgen nicht pharmakologische Maßnahmen, darunter eine Blutvolumensteigerung durch das tägliche Trinken von 2 bis 2,5 Liter Wasser und 6 bis 10 Gramm Salz. Das rasche Trinken von 500 ml Wasser steigert den Blutdruck für bis zu 60 Minuten um durchschnittlich 24/12 mmHg, ein praktischer Akuteffekt.

Zudem reduzieren bei übergewichtigen Patienten Bauchbinden kombiniert mit Ganzbein-Kompressionsstrümpfen das venöse Pooling wirksam. Kniehohe Strümpfe allein genügen nicht. Ergänzend sollte zu langsamem, stufenweisen Aufstehen, zu Alkoholverzicht und zu einer leicht erhöhten Schlafposition geraten werden.

Pharmakologisch sind nur zwei Substanzen zugelassen.

  • Midodrin (Gutron®) ist ein Alpha-1-Agonist der ersten Wahl bei nOH und non-nOH.
  • In den USA ist Droxidopa (Noradrenalin-Prodrug, nur bei nOH) zugelassen. 

Als Off-Label-Optionen zweiter Linie gelten Fludrocortison (AstoninH®, Evidenz schwach, erhöhte Hospitalisierungsrate), Atomoxetin (hemmt Noradrenalinwiederaufnahme, Tachyphylaxie möglich) und Pyridostigmin (Mestinon®, wirkt vorwiegend im Stehen, günstig bei supiner Hypertonie). Die postprandiale Hypotonie spricht auf kleinere, kohlenhydratarme Mahlzeiten, Koffeinaufnahme sowie Acarbose oder Octreotid an.

Fazit

OH ist behandelbar, vorausgesetzt, sie wird erkannt. Der strukturierte Ansatz aus Medikamentenprüfung, nicht pharmakologischen Maßnahmen und individuell angepasster Pharmakotherapie kann auch ohne Spezialisten in der Primärversorgung, und damit auch in der Apotheke, umgesetzt werden.

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