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Brustkrebs
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»Man findet keine Orientierung und ist total alleingelassen«

Nach der Brustkrebsdiagnose beginnt für viele Frauen ein Kampf durch das System. Fehlende Koordination, lange Wartezeiten und ungleicher Zugang zu Therapien zeigen den Reformbedarf bei der Früherkennung und Versorgung, wie heute auf einer Diskussionsrunde des »Tagesspiegel« in Berlin deutlich wurde.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 26.02.2026  16:20 Uhr

Mammografie-Screening: Senkung der unteren Altersgrenze auf 45 Jahre

Für Antonius Helou, Leiter des Referats 324 Krebserkrankungen im Bundesgesundheitsministerium (BMG), gibt es ebenfalls noch Optimierungsbedarf im Bereich Brustkrebs. Früherkennungsangebote wie Mammographie würden sich an Frauen mit durchschnittlichem Risiko richten, doch für Frauen mit einem erhöhten familiären Brustkrebsrisiko seien intensivere Angebote wichtig. Problematisch sei, dass der Vorteil einer erhöhten Erkennungsrate immer auch mit einer erhöhten Rate von möglichen falsch positiven Befunden oder Überdiagnosen einhergehe oder auch mit zusätzlichen Belastungen wie etwa Biopsien. »Man muss immer schauen, dass Nutzen und Risiken die Waage halten«, so Helou. »Was jetzt bald kommen wird, ist die Senkung der unteren Altersgrenze im Mammografie-Screening von 50 auf 45 Jahre«, versprach er. Im Jahr 2024 wurde die obere Altersgrenze schon auf 75 Jahre erhöht. 

Wie Dorothee Speiser betonte auch Antonius Helou, dass es beim Thema Früherkennung noch Optimierungsbedarf beim Erreichen der Zielgruppe gebe. Es brauche eine entsprechende Ansprache und Betreuung seitens der Ärztinnen und Ärzte und der Gesundheitsberufe und deren verstärkte Einbidung in die Beratung zu Früherkennungs- und Präventionsangeboten.

Metastasierter Brustkrebs: Welche Studien werden gebraucht?

Was den Zugang zu innovativen Therapien bei metastasiertem Brustkrebs angeht, erklärte Karin Huss, Marketing Director Oncology der Firma Gilead Sciences, dass es in den vergangenen 20 Jahren viele Innovationen in den Markt geschafft hätten. Momentan laufen zum Thema Mammakarzinom etwa 300 Studien. Huss wolle die metastasierte Erkrankung aus ihrem Schattendasein herausholen. Es müssten gemeinsam mit den Patientinnen Plattformen und Programme entwickelt werden, auch für die Angehörigen. »Wir dürfen nicht über, sondern müssen mit den Patientinnen sprechen«, so Huss.

Aber auch der Dialog mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sei in dem Zusammenhang essenziell und man müsse sich gemeinsam fragen, welche Studien gebraucht werden.

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