| Theo Dingermann |
| 20.10.2026 11:00 Uhr |
Aus pharmakologischer Sicht besonders interessant ist die Beobachtung, dass Losartan den Stoffwechsel des braunen Fettgewebes zu aktivieren scheint. Bei der systematischen Untersuchung von 125 Arzneistoffen stellten die Forschenden fest, dass bei Einnahme bestimmter Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist, dass braunes Fettgewebe nachweisbar ist. Für Losartan ergab sich eine Odds Ratio von 1,36, für Valsartan von 1,52. Demgegenüber waren unter anderem die Betablocker Atenolol und Propranolol sowie mehrere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer mit einer geringeren Nachweiswahrscheinlichkeit assoziiert.
An kultivierten braunen Fettzellen konnten die Forschenden zeigen, dass Losartan die Expression des UCP1-Gens und von weiteren thermogenen Genen steigert und die entkoppelte mitochondriale Atmung erhöht. Überraschenderweise beruhte dieser Effekt nicht ausschließlich auf der Blockade des Angiotensin-II-Rezeptors. Vielmehr identifizierten die Forschenden eine Aktivierung des nukleären Rezeptors PPARγ als entscheidenden Mechanismus.
Besonders interessant war dabei der Losartan-Metabolit EXP3179, der selbst keine relevante Affinität zum AT1-Rezeptor besitzt und die PPARγ-abhängige Genexpression stimuliert. Der pharmakologisch am AT1-Rezeptor aktive Metabolit von Losartan, EXP3174, zeigte diese Wirkung dagegen nicht.
Auch im Tiermodell bestätigte sich das thermogene Potenzial von Losartan. Mäuse, die Losartan erhielten, zeigten eine erhöhte UCP1-Expression im braunen Fettgewebe sowie einen gesteigerten Sauerstoffverbrauch und Energieumsatz.
Die Ergebnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund der langjährigen klinischen Anwendung von Losartan interessant. Der Wirkstoff könnte möglicherweise zusätzliche metabolische Eigenschaften besitzen, die über seine antihypertensive Wirkung hinausgehen. Ob diese Beobachtungen eine therapeutische Bedeutung haben könnten, ist unklar.
Insgesamt liefert die Untersuchung neue Hinweise darauf, dass braunes Fettgewebe weit mehr als ein Organ der Wärmeproduktion ist. Seine metabolische Aktivität könnte eng mit der Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems, dem Glucosestoffwechsel und möglicherweise auch psychischen Erkrankungen verknüpft sein.
Zugleich demonstriert die Studie, wie sich durch die Kombination großer klinischer Datensätze, künstlicher Intelligenz und experimenteller Pharmakologie neue Einsatzmöglichkeiten bereits zugelassener Arzneistoffe identifizieren lassen.