Die Häufigkeit eines benignen Prostatasyndroms steigt mit dem Lebensalter. Jeder zweite Mann zwischen 51 und 60 Jahren ist betroffen. / © Shutterstock/SaiArLawKa2
Drei Definitionen vorweg: Bei der benignen Hyperplasie (BPH) handelt es sich um eine gutartige Vermehrung von Zellen der Vorsteherdrüse (Prostata); sie geht häufig mit einer Vergrößerung und einem knotigen Umbau des Organs einher. BPH bezeichnet also die morphologischen Veränderungen. Diese führen häufig zu einem benignen Prostatasyndrom (BPS), das wiederum LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms) und eine Blasenauslassobstruktion (BOO/BPO) umfasst.
Die Prävalenz für ein BPS steigt mit dem Lebensalter. Während rund 8 Prozent der Männer um das 40. Lebensjahr betroffen sind, sind es bei den 51- bis 60-Jährigen bereits bis zu 50 Prozent. Bei den Ab-80-Jährigen sind rund 80 Prozent betroffen. Neben dem steigenden Lebensalter gehören vor allem Adipositas und ein metabolisches Syndrom zu den Risikofaktoren. Der Hintergrund: Nicht nur Veränderungen im Androgenmuster stellen einen Wachstumsreiz für Prostatazellen dar, auch Estrogene können das Wachstum stimulieren. Letztere werden bei Adipositas vermehrt gebildet.
Zu den typischen Beschwerden eines BPS gehören häufiger Harndrang (Pollakisurie), nächtlicher Harndrang (Nykturie), Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie) und in manchen Fällen ein imperativer Harndrang. Durch Restharnbildung kann sich außerdem das Risiko für Harnwegsinfekte erhöhen. Durch eine Obstruktion kommt es zudem häufig zu einem verzögerten Miktionsbeginn oder für die Miktion ist ein stärkeres Pressen erforderlich; der Harnstrahl ist abgeschwächt oder bricht ab und es kommt zu Nachträufeln.
Um die Beschwerden durch ein BPS einzuordnen, kommt unter anderem der International Prostate Symptom Score (IPSS) zum Einsatz. Hierbei werden sieben Merkmale der Miktion mit einem Punktwert von 0 (»nie«) bis 5 (»fast immer«) bewertet, maximal erreichbar ist damit ein Wert von 35. Eine achte Frage erfasst die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Werte von maximal 7 Punkten stehen für eine milde, 8 bis 19 Punkte für eine mittelgradige und 20 oder mehr Punkte für eine schwere Symptomatik. Der IPSS hat die Stadieneinteilung nach Alken abgelöst. Er eignet sich bei wiederholter Beantwortung außerdem, um Veränderungen zu erfassen.
Je nach Ausprägung des BPS stehen zur Behandlung verschreibungspflichtige oder operative Therapieoptionen zur Verfügung. Bei nur geringem Leidensdruck kann zunächst ein kontrolliertes Zuwarten, gegebenenfalls ergänzt durch Verhaltensmaßnahmen zum Einsatz kommen (Kasten). Bei Adipositas und/oder metabolischem Syndrom sollten eine Gewichtsreduktion und eine gute Stoffwechselkontrolle angestrebt werden.
Kontrolliertes Zuwarten kann durch eine Reihe von Verhaltensmaßnahmen unterstützt werden. Dazu gehören:
Insbesondere bei leichten Beschwerden stellen pflanzliche Mono- oder Kombinationspräparate häufig verwendete Therapieoptionen dar. Enthalten sind beispielsweise Phytosterole (etwa Apoprostat®), Extrakte aus Sägepalmenfrüchten (etwa Prostagutt® uno) oder eine Kombination aus Sägepalmenfrüchten- und Brennnesselwurzelextrakt (etwa Prostagut® duo), Kürbissamen-Extrakt (etwa Granu Fink® Prosta forte) oder Extrakten aus Pollen von Roggen, Timothy-Gras und Mais (etwa Pollstimol®).
Bevor sie im Rahmen einer Selbstmedikation zum Einsatz kommen, ist der Gang zum Arzt ratsam – zum einen, um andere Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild auszuschließen, zum anderen, um durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen Informationen über den Verlauf des BPS zu erhalten. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass eine Wirkung in der Regel erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Einnahme einsetzt. Wichtig zu betonen ist zudem, dass Phytopharmaka Beschwerden lindern können, aber keine Verkleinerung der Prostata bewirken. Nicht angewendet werden sollen sie bei Patienten mit deutlich obstruktiven Symptomen.