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Live-in-Hilfen
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Leben teilen – Gefühle trennen

Menschen, die zeitweise im Haushalt einer anderen Person leben und diese betreuen und pflegen, gehören längst zur Realität in Deutschland. Diese sogenannten Live-in-Arrangements bergen jedoch jede Menge Konfliktstoff.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 30.04.2026  07:00 Uhr

Häufig Dauerkrise zuhause

»Etwa jeder zwölfte Versorgungshaushalt beschäftigt eine Live-in-Hilfe. Bei circa einem Drittel der Betreuten liegt vermutlich eine Demenz vor.« Die Public-Health-Expertin, die zu diesem Thema forscht, sprach von einer »kompletten Blackbox«. Es gebe keine genauen Zahlen und keine demenzspezifischen Studien.

Die Live-in-Versorgung einer demenzkranken Person erscheine vielen Angehörigen als alternativlos – auch weil die Dauerbetreuung zu Hause billiger als ein Pflegeheim sei. Allerdings seien diese Arrangements, bedingt durch den häufigen Wechsel der Betreuungspersonen, für Familie und Kranke oft sehr schwierig, berichtete von Kutzleben. Die Angehörigen trügen hohe moralische Verantwortung und seien ständig in Sorge, ob überhaupt eine Hilfe kommt, wer es ist und ob die Versorgung der kranken Person klappt. In vielen Haushalten herrsche eine Dauerkrise.

So gelingt das Modell

Wie kann die Live-in-Versorgung ein gutes Modell für alle Beteiligten sein? Es gelten, die Verletzlichkeit der zu pflegenden Person zu berücksichtigen und die Familie zu unterstützen und zu stärken, so die Expertin. Die Live-in-Hilfen bräuchten sichere Arbeitsbedingungen mit klarem Tätigkeitsprofil in gemischten Versorgungs-Arrangements.

In der Regel müssten Sprachkurse zu ihrer Ausbildung gehören – auch wenn die Kommunikation manchmal sehr gut mit Übersetzungssprachmodellen klappt. Und schließlich sollten unabhängige Mittlerstellen eine qualitätsgesicherte Begleitung und Coaching sicherstellen, forderte die Referentin. 

Mit der häuslichen Versorgung von Menschen mit Demenz durch osteuropäische Live-in-Hilfen befasst sich seit 2023 auch das Projekt »TriaDe«, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird und an dem von Kutzleben als eine Projektleiterin mitarbeitet. Das 35-köpfige Wissenschaftsteam aus den Disziplinen Kommunikationswissenschaft, Pflegewissenschaft und Ethikwissenschaft hat sein Ergebnispapier samt Empfehlungen gerade an das Bundesministerium für Gesundheit übermittelt.

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