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Apotheken unter Druck
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LAV sucht neue Wege

Angesichts des wirtschaftlichen Drucks muss und wird sich die Arbeit in der Apotheke verändern. Beim ersten LAV-Forum des Landesapothekerverbands Niedersachsen in Hannover diskutierten Expertinnen und Experten, wie KI, neue Führungsmodelle und Prozessoptimierung die Versorgung sichern könnten.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 13.04.2026  11:00 Uhr
Klarheit und Orientierung gefragt

Klarheit und Orientierung gefragt

Dabei gibt es keine »schwierigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«, sondern nur »schwieriges Verhalten«, wie Marcella Jung betonte. In ihrem Workshop schilderte die Betriebswirtin und Autorin, wie man für sein Team als Führungskraft spürbar präsent ist und wie man seine Qualitäten in Gesprächen mit Mitarbeitenden richtig anwendet. »Die Aufgabe des Chefs oder der Chefin ist nicht, gemocht zu werden«, so Jung. Stattdessen seien Klarheit, Orientierung und Lenkung gefragt. Darüber hinaus erklärte sie den Teilnehmenden, wie Führungskräfte richtig loben und warum ein einfaches Danke oft nicht ausreicht.

Wie gezielte Social-Media-Aktivitäten und eine bewusste Positionierung einer Vor-Ort-Apotheke helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben und im Netz sichtbarer zu werden, schilderten die beiden Referentinnen Rebekka Thor, Betriebswirtin und Business-Coach, sowie die Marketing-Expertin Chantal Sebrantke. Den Grundsatz »business is local« zu beachten, kann sich auszahlen. Doch Vertrauen aufzubauen, Kundschaft zu binden und dabei authentisch zu bleiben, will gelernt sein.

Der Großhandel ist nicht der Feind

In der abschließenden Podiumsdiskussion rieben sich die Teilnehmenden am meisten an einer Frage aus dem Impulsreferat von Dr. Uwe Stiftel, Inhaber der Unternehmensberatung US ApoConsult. Es ging darum, ob der Bestellprozess in Zukunft noch eine Kernaufgabe der Apotheke sein muss oder perspektivisch der Großhandel übernehmen könnte?

Die eine Seite äußerte Bedenken, ob in dem Fall die Unabhängigkeit des apothekerlichen Heilberufs noch gewahrt bleibt, zu der eindeutig auch der Wareneinkauf gehört. Die andere Seite sieht in der Idee eine Prozessoptimierung, die Synergien nutzt – zumal der Großhandel nicht das Feindbild der Apothekerschaft ist. Immerhin macht sich das Apothekensterben auch in seiner Branche bemerkbar.

Am Ende müssen Inhaberinnen und Inhaber wohl entscheiden, wie viel Kontrolle sie in Zukunft bereit sind abzugeben – und dafür womöglich andere Schwerpunkte in ihrem Betrieb auszubauen. Stichwort: pharmazeutische Dienstleistungen und Lotsenfunktion im Gesundheitswesen. Als Fazit rief Groeneveld zu mehr Miteinander im Gesundheitswesen auf und dafür – wenn nötig – auch »über Hürden zu springen«. 

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