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Apotheken unter Druck
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LAV sucht neue Wege

Angesichts des wirtschaftlichen Drucks muss und wird sich die Arbeit in der Apotheke verändern. Beim ersten LAV-Forum des Landesapothekerverbands Niedersachsen in Hannover diskutierten Expertinnen und Experten, wie KI, neue Führungsmodelle und Prozessoptimierung die Versorgung sichern könnten.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 13.04.2026  11:00 Uhr

Die Existenz der Apotheken in einem »immer verrückter werdenden System« zu festigen und dafür neue wirtschaftliche Wege zu finden – das hat sich der LAV Niedersachsen zum Ziel gesetzt, wie der Vorstandsvorsitzende Berend Groeneveld betonte. Dafür setzt der Verband mit dem LAV-Forum auf ein neues Veranstaltungsformat, das am vergangenen Wochenende erstmals in Hannover stattfand.

Angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf die Betriebe will der LAV künftig noch stärker als Partner der Vor-Ort-Apotheken auftreten und »allen das Leben leichter machen«, so Groeneveld. In seiner Begrüßungsrede unterstrich er auch, dass die jüngsten Aktionen der Apothekerschaft nicht dazu dienten, »gegen die Politik zu protestieren«, sondern als eine Botschaft an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gedacht waren.

Ihr sollte, so Groeneveld, auf diese Weise klar werden, wie stark die flächendeckende Versorgung von der angekündigten Fixumserhöhung abhänge. Die angedachten 9,50 Euro sind jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. »Die sind ja schon durch den Mindestlohnerhöhungen und unsere Tarifgruppen aufgefressen«, so der LAV-Vorsitzende.

KI-Einsatz, Teamführung, Marketingstrategie

Um die Existenz der Vor-Ort-Apotheke auch in Zukunft zu festigen, muss der Berufsstand neue Wege beschreiten. Wie diese aussehen könnten, war Hauptfokus der Vorträge und Workshops des LAV-Forums.

Mithilfe von KI effizient mit den Ressourcen umzugehen, ist eine Möglichkeit. Denn: »20 bis 30 Prozent der Arbeitszeit verbringen wir in der Apotheke mit Suchen«, wie Apotheker und Digitaldenker Marc Kriesten in seiner Keynote veranschaulichte. Er zeigte auf, wie KI sich in der Apotheke einsetzen lässt, um Prozesse schneller und besser zu gestalten.

Er sieht die Technologie als gutes Assistenzsystem in Bereichen wie Fach- und Beratungswissen, Qualitäts- und Warenmanagement, Team- und Kundenkommunikation, Dokumentation oder Onboarding von neuen Mitarbeitenden. Kriesten appellierte an die Zuhörenden, diese Entwicklung als Chance zu begreifen und nahm ihnen gleichzeitig die Sorge davor, die KI könnte einmal die Arbeit der Apothekerinnen und Apotheker ersetzen. »Menschen wollen von Menschen versorgt werden«, stellte er klar. Die KI sieht er lediglich als Hilfe »bei der Innenoptimierung – und nicht im Kontakt mit den Patientinnen und Patienten«.

Um weitere Reibungsverluste im Alltag zu vermeiden, muss auch die Teamarbeit in der Apotheke stimmen. Wie zentral es ist, dass auch die Führungskraft auf ihre Selbstfürsorge achtet, schilderte Apotheken-Coachin Corinna Bäck in ihrem Workshop. Wichtig zu wissen ist ihrer Ansicht nach auch, in welche Mitarbeitenden man wie viel Zeit investieren sollte. Vor diesem Hintergrund zählte sie die Bedürfnisse und Erwartungen verschiedener Generationen auf und erläuterte, wie eine Inhaberin oder ein Inhaber Konflikte vermeidet und Teammeetings erfolgreich organisiert.

Klarheit und Orientierung gefragt

Dabei gibt es keine »schwierigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«, sondern nur »schwieriges Verhalten«, wie Marcella Jung betonte. In ihrem Workshop schilderte die Betriebswirtin und Autorin, wie man für sein Team als Führungskraft spürbar präsent ist und wie man seine Qualitäten in Gesprächen mit Mitarbeitenden richtig anwendet. »Die Aufgabe des Chefs oder der Chefin ist nicht, gemocht zu werden«, so Jung. Stattdessen seien Klarheit, Orientierung und Lenkung gefragt. Darüber hinaus erklärte sie den Teilnehmenden, wie Führungskräfte richtig loben und warum ein einfaches Danke oft nicht ausreicht.

Wie gezielte Social-Media-Aktivitäten und eine bewusste Positionierung einer Vor-Ort-Apotheke helfen, sich von der Konkurrenz abzuheben und im Netz sichtbarer zu werden, schilderten die beiden Referentinnen Rebekka Thor, Betriebswirtin und Business-Coach, sowie die Marketing-Expertin Chantal Sebrantke. Den Grundsatz »business is local« zu beachten, kann sich auszahlen. Doch Vertrauen aufzubauen, Kundschaft zu binden und dabei authentisch zu bleiben, will gelernt sein.

Der Großhandel ist nicht der Feind

In der abschließenden Podiumsdiskussion rieben sich die Teilnehmenden am meisten an einer Frage aus dem Impulsreferat von Dr. Uwe Stiftel, Inhaber der Unternehmensberatung US ApoConsult. Es ging darum, ob der Bestellprozess in Zukunft noch eine Kernaufgabe der Apotheke sein muss oder perspektivisch der Großhandel übernehmen könnte?

Die eine Seite äußerte Bedenken, ob in dem Fall die Unabhängigkeit des apothekerlichen Heilberufs noch gewahrt bleibt, zu der eindeutig auch der Wareneinkauf gehört. Die andere Seite sieht in der Idee eine Prozessoptimierung, die Synergien nutzt – zumal der Großhandel nicht das Feindbild der Apothekerschaft ist. Immerhin macht sich das Apothekensterben auch in seiner Branche bemerkbar.

Am Ende müssen Inhaberinnen und Inhaber wohl entscheiden, wie viel Kontrolle sie in Zukunft bereit sind abzugeben – und dafür womöglich andere Schwerpunkte in ihrem Betrieb auszubauen. Stichwort: pharmazeutische Dienstleistungen und Lotsenfunktion im Gesundheitswesen. Als Fazit rief Groeneveld zu mehr Miteinander im Gesundheitswesen auf und dafür – wenn nötig – auch »über Hürden zu springen«. 

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