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Menopause

Langfristige Schlafmittel-Einnahme bringt keinen Vorteil

Frauen mittleren Alters, die über ein bis zwei Jahre Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen einnehmen, schlafen nicht besser als Gleichaltrige, die ohne solche Medikamente auskommen, zeigt eine neue Studie.
Daniela Hüttemann
24.05.2021  18:00 Uhr

Grundsätzlich sollten Schlafmittel nur kurzfristig, also über wenige Wochen, eingesetzt werden. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Vor allem ältere Frauen geraten hier oft in eine (unbewusste) Abhängigkeit.

Dass vor allem Frauen mittleren Alters anfangen, Schlaftabletten zu nehmen, hat mit den hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren zu tun, die bei vielen den Schlaf empfindlich stören. Aber ist die langfristige Einnahme von Schlafmitteln wirklich eine Lösung? Nein, meinen US-Forscher aufgrund neuer Ergebnisse der SWAN-Studie. SWAN steht für »Study of Women’s Health Across the Nation«, eine Langzeitstudie in den USA, die die biologischen und psychosozialen Veränderungen bei Frauen während der Wechseljahre untersucht. Die Ergebnisse zum Thema Schlafqualität und Medikamenteneinnahme erschienen vor Kurzem im »British Medical Journal«.

Als Schlafstörung wurde hier definiert, wenn die Frauen Probleme hatten einzuschlafen, öfters nachts wach wurden oder sehr früh wieder aufwachten. Sie sollten selbst auf einer Skala von 1 bis 5 immer wieder bewerten, wie gut (1) oder schlecht (5) die Nächte der vorangegangenen zwei Wochen waren. Hier wurden nun die Angaben von 238 Frauen unter neu verordneten Schlafmitteln mit denen von 447 Frauen ohne pharmakologische Einschlafhilfe jeweils nach einem Jahr und nach zwei Jahren verglichen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen betrug 49,5 Jahre. 

Beide Gruppen berichteten über Einschlafschwierigkeiten oder frühes Aufwachen in durchschnittlich jeder dritten Nacht. Viele wachten in zwei von drei Nächten mehrmals auf. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmerinnen in beiden Gruppen berichteten von gestörtem Schlaf mindestens dreimal die Woche.

Die Scores in beiden Gruppen waren sowohl zu Beginn der Studie als auch ein und zwei Jahre später vergleichbar und es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied. Zu Beginn klagten 2,7 bei den Schlafmittel-Nutzerinnen versus 2,6 der Vergleichsgruppe über Einschlafschwierigkeiten am Abend; 3,8 versus 3,7 in puncto nächtlichem Aufwachen sowie 2,8 versus 2,7 in Bezug auf zu frühem Erwachen am Morgen.

Nach einem Jahr sah es ähnlich aus: Das Einschlafen wurde mit 2,6 versus 2,3; das Durchschlafen mit 3,6 versus 3,5 und das frühe morgendliche Aufwachen mit 2,8 versus 2,5 angegeben. Keiner dieser Unterschiede war statistisch signifikant, schreiben die Forscher. Gleiches gelte für das Follow-up nach zwei Jahren.

Weder nach einem noch nach zwei Jahren der Schlafmitteleinnahme gab es also einen Vorteil in Bezug auf bessere Schlafqualität bei den Nutzerinnen von Benzodiazepinen, Z-Substanzen und Co. Allerdings wurde die Medikamenteneinnahme nur punktuell abgefragt, daher bleibt bei dieser retrospektiven Beobachtungsstudie unklar, ob die Frauen die Schlafmittel wirklich durchgängig einnahmen.

Trotzdem folgern die Forscher um Dr. Daniel Solomon vom Brigham and Women’s Hospital in Boston: »Schlafstörungen sind häufig und nehmen immer mehr zu. Auch der Einsatz von Schlafmedikamenten ist gestiegen, und sie werden trotz des relativen Mangels an Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien häufig über einen langen Zeitraum angewendet. Diese Medikamente mögen bei einigen Menschen mit Schlafstörungen über mehrere Jahre hinweg gut wirken, aber die Ergebnisse dieser Studie sollten verschreibenden Ärzten und Patienten, die über die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen Schlafstörungen im mittleren Alter nachdenken, die Verordnung überdenken lassen.«

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