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Covid 19

Lässt sich mit Azelastin-Nasenspray SARS-CoV-2 bekämpfen?

Eine SARS-CoV-2-Infektion im Frühstadium zu behandeln, könnte Spätkomplikationen zu vermeiden helfen. Noch stehen für diesen Einsatz kaum Arzneimittel zur Verfügung. Eines könnte das Antihistaminikum Azelastin werden. Erste Hinweise liefert eine Studie.
Theo Dingermann
07.10.2021  10:30 Uhr

CARVIN ist eine randomisierte, placebokontrollierte, dreiarmige Doppelblindstudie der klinischen Phase II, die einen »proof of concept« zur Wirksamkeit von Azelastin-Nasenspray bei SARS-CoV-2-infizierten Patienten in Bezug auf die Viruslast in Nasen-Rachen-Abstrichen zeigen sollte.

  • Im ersten Arm dieser interventionellen Studie wurden Probanden über einen Zeitraum von elf Tagen mit dreimal täglich einem Sprühstoß (0,14 ml) Azelastinhydrochlorid Nasenspray (1 mg/ml) pro Nasenloch behandelt.
  • Im zweiten Arm erhielten die Probanden über einen Zeitraum von elf Tagen dreimal täglich einen Sprühstoß (0,14 ml) Azelastinhydrochlorid Nasenspray (0,2 mg/ml) pro Nasenloch.
  • Der dritte Arm diente als Placebo-Kontrolle.

Als primärer Endpunkt sollten erste Daten zur Wirksamkeit der Behandlung mit Azelastin-Nasenspray durch die Abnahme der medianen Viruslast von SARS-CoV-2 zwischen den Behandlungsgruppen mittels regelmäßiger quantitativer PCR-Messungen aus Nasen-Rachen-Abstrichen ermittelt werden.

In die Studie eingeschlossen waren 90 Patienten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, bei denen eine SARS-CoV-2-Infektion durch einen positiven PCR-Test dokumentiert war. Die Aufnahme in die Studie erfolgte bis maximal einen Tag nach einem positiven Covid-19-Testresultat, jedoch nicht länger als 48 Stunden nach dem Testabstrich.

90 Freiwillige, die positiv auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet waren, wurden nach dem Zufallsprinzip in die drei Gruppen randomisiert. Während des Behandlungszeitraums wurden sieben Nasopharyngeal-Abstriche für eine quantitative PCR-Messungen entnommen.

Über die gesamte Studiendauer wurde der Zustand der Patienten kontinuierlich überprüft und die Intensität der einzelnen Symptome anhand eines elektronischen Tagebuchs erfasst. Zwei Sicherheitskontrollen wurden an den Tagen 16 und 60 durchgeführt.

Rückgang der Viruslast, aber nicht signifikant

Da die Daten des primären Ergebnisses keine Normalverteilung aufwiesen, mussten alle statistischen Tests nichtparametrisch durchgeführt werden. Damit sind alle p-Werte als deskriptiv und ohne Anpassung für Mehrfachtests zu verstehen. Eine umfassendere deskriptive Analyse wurde in der Publikation der Studie, die bisher nur in Form eines Preprints vorliegt, nicht publiziert. Eine solche Analyse ist aber für einen späteren Zeitpunkt angekündigt.

In den Nasopharyngeal-Abstrichen der Studienpopulation wurde eine große Bandbreite an anfänglicher Viruslast beobachtet. Der Gesamtmedian der ermittelten Ct-Werte lag bei etwa 21,9. Von den 90 eingeschriebenen Patienten hatten sich mindestens 54 mit der Alpha-Variante (B.1.1.7) infiziert.

Im Vergleich zur Placebogruppe führte die Behandlung mit dem Azelastin-Nasenspray zu allen sechs Zeitpunkten nach Behandlungsbeginn zu einem stärkeren, aber nicht signifikanten Rückgang der mittleren Viruslast. Diese Tendenz war stabil und am Tag 8 am stärksten ausgeprägt.

In den Gruppen, die mit 0,1-prozentigen und 0,02-prozentigen Azelastin-Nasenspray behandelt worden waren, war die Reduktion der Ausgangsviruslast im Vergleich zu Placebo um etwa 8- beziehungsweise 29-fach größer. An den Tagen 4 und 11 wurde bei den Patienten, die mit 0,1-prozentigen Azelastin-Nasenspray behandelt wurden, eine etwa 4-fache Verringerung der mittleren Viruslast festgestellt. Die Wirksamkeit gemessen an der Reduktion der mittleren Viruslast im Vergleich zu den Ausgangswerten war ab dem zweiten Tag nach Behandlungsbeginn in beiden Verum-Gruppen nachweisbar.

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