| Jennifer Evans |
| 20.05.2026 12:00 Uhr |
Beeinflusst die Ehe die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken? Ja, wie US-Forschende nun herausfanden. / © Adobe Stock/contrastwerkstatt
Erwachsene, die nie verheiratet waren, haben einer US-Studie zufolge ein deutlich höheres Krebsrisiko als Menschen, die verheiratet sind oder es einmal waren. Besonders stark fallen die Unterschiede bei vermeidbaren Krebserkrankungen auf, solche also, die mit Infektionen, Rauchen oder reproduktiven Faktoren zusammenhängen.
Das Autorenteam um Dr. Paulo S. Pinheiro, Forschungsprofessor für Epidemiologie an der Miller School of Medicine der Universität Miami, wertete Daten von mehr als 4 Millionen Krebsfällen aus zwölf Bundesstaaten zwischen den Jahren 2015 und 2022 aus. Er verglich die Raten nach Familienstand, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit und bereinigte die Ergebnisse um das Alter. Die Analyse unterscheidet zwei Gruppen: Menschen, die verheiratet waren (oder es früher waren) und Personen, die nie verheiratet waren. Rund ein Fünftel der untersuchten Erwachsenen gehört zur zweiten Gruppe.
Die Unterschiede fallen demnach so deutlich aus, dass sie sich nicht allein anhand von Lebensstilfaktoren erklären lassen. Besonders große Abweichungen zeigten sich bei Analkrebs, den nie verheiratete Männer etwa fünfmal häufiger entwickelten als verheiratete. Auch nie verheiratete Frauen erkranken fast dreimal so häufig an Gebärmutterhalskrebs als verheiratete oder ehemals verheiratete Frauen.
Da sowohl Anal- als auch Gebärmutterhalskrebs in engem Zusammenhang mit einer HPV-Infektion stehen, erklären die Forschenden die Unterschiede mit unterschiedlicher Exposition – und bei Gebärmutterhalskrebs zudem mit Unterschieden bei Vorsorge und Prävention.
Auch geschlechtsspezifische Muster ließen sich erkennen: Nie verheiratete Männer haben ein rund 70 Prozent höheres Erkrankungsrisiko als verheiratete Männer. Bei Frauen, die nicht in einer Ehe leben, liegt der Unterschied bei etwa 85 Prozent. An dieser Stelle weist das Autorenteam auf einen umgekehrten Trend hin. Denn meist profitiere die Gesundheit der Männer stärker von der Ehe als die der Frauen – in diesem Fall sei es jedoch anders, heißt es.
Bei der Auswertung der ethnischen Zugehörigkeit stellte sich zudem heraus, dass die Krebsraten bei nie verheirateten Schwarzen Männern am höchsten waren. Verheiratete Schwarze Männer wiesen dagegen niedrigere Raten auf als verheiratete Weiße Männer. Das führt die Studie auf den schützenden Zusammenhalt dieser Gruppe zurück.
Das Fazit der Studie, die im Fachjournal »Cancer Research Communications« erschienen ist: Eine Heirat beugt Krebs nicht auf magische Weise vor. Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen Familienstand und Krebsrisiko. Laut Autorenteam haben verheiratete Personen oft ein stärkeres Unterstützungsnetzwerk, sind wirtschaftlich stabiler aufgestellt und halten sich eher an Krebsbehandlungspläne als nicht verheiratete Erwachsene.
Als mögliche Einschränkungen der Analyse sehen sie, dass Menschen mit gesundheitsfördernden Verhaltensweisen nicht nur besser auf sich achten, sondern sozial besser integriert sind und sich daher möglicherweise auch eher entscheiden, zu heiraten.